Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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L Zum Heimatsdorf war ich nach langer Trennung Mit meinen beiden Knaben froh gewandert, „Das, Jungens, sind die Straßen, drin ich spielte, Das ist das Haus, in dem ich groß geworden, In dem es Brot und Prügel gab und Küsse.” Und suchend zieh mit ihnen ich durchs Dorf, Aus jeder Tür, aus jedem Hof und Garten Springt die Erinnerung grüßend auf mich zu, Und alles lebt, was einst mit mir hier lebte. Da nahn wir uns dem kleinen Gotteshaus, Wie fremd schaut es mich an! Die Mauerpforte, Die sonst stets offen stand, ist fest geschlossen. Wie ich mich gegen sie auch stemm, sie weicht nicht, Ein alter Bauer geht vorbei und sagt: „Von Ihren Leuten wohnt hier keiner mehr.“ (Abendleuchten, 134.) Niederntudorf, ein kleines westfälisches Dorf, im Paderbornischen Hügelland gelegen, ist der Geburtsort Jakob Loewenbergs. Dorthin zogen seine Erinnerungen, dorthin wanderte er, so oft er nach Paderborn kam. Noch kurz vor seinem Tode führte er Frau und Tochter durch das Dorf zu der einzigen jüdischen Familie „in meiner Kindheit waren ihrer acht da ,.. Dann führte ich durch das Dorf zu der Kirche mit dem hohen, schlanken Turm, der gebaut wurde, als ich ein paar Jahre lOI