Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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sicher nicht erwartet hätte und kaum auf sie gefaßt war, so lag sie doch überhaupt als eine Möglichkeit drin. Von dem aber, was Du unter der Rubrik „Grund“ in Deinem Brief sagst, hätt* ich vieles nicht einmal für möglich gehalten. Ich will mich aber zu dem einzelnen von Dir Gesagten selbst wenden. — Wenn Du meinst, daß in mir von jeher ein gewisser Aerger und Mißstimmung gelebt habe darüber, daß ich andre Leute in so weit besserer Lage gesehen, so ist das gänzlich falsch. Daß andre sich in glänzenderen Umständen befänden, als ich, hat nie Aerger und Mißstimmung in mir erregen können; dem wehrte schon mein ganzes neidloses Wesen. Ich finde es sogar ziemlich sonderbar und etwas stark von Dir, eine solche Scheelsucht, die noch dazu eine große geistige Armut in sich einschließt, mir auf den Kopf zuzusagen. Nicht das, daß andre mehr hatten als ich, verstimmte mich — gegen solche Gemeinheit der Gesinnung, die Du mir ansinnst, protestiere ich doch feierlichst —, nur das empörte mich früher, daß manche dieser Menschen ihres Geldes wegen so gringschätzend auf unser einen herabsehen, wie ich z. B. auch jetzt noch keine Stunde in Deinem Hause sein kann, ohne daß aus dem Benehmen Deines Sohnes, Deiner Frau etc. sehr deutlich herausblickt, wie ich trotz allem Sonstigen doch nur der „pauvre parent“ sei. 74