Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Früher, wie gesagt, war ich darüber empört, oder davon gedrückt; jetzt begnüge ich mich damit, darüber zu lächeln. Wenn Du sagst, ,,Dir hat der liebe Gott unter so vielen guten Eigenschaften, die er Dir verliehen hat, Thätigkeit und Liebe zur Arbeit versagt, Du liebst ein beschauliches Leben, das Deiner geistigen Tätigkeit genügen und sie fördern würde'*, so kann ich in der Tat diesen Satz nicht verstehen. Einmal soll mir die Tätigkeit und die Liebe zu ihr überhaupt versagt sein und dann soll ich gerade wieder ein beschauliches Leben lieben, u m meiner geistigen Tätigkeit genügen und sie fördern zu können. Das scheint mir doch wohl ein offenbarer Widerspruch zu sein. Oder verstehst Du etwa unter Tätigkeit, wie Du sie nimmst, die bloß äußerliche Tätigkeit der Hände, wie etwa Holzhacken?, so muß ich freilich eingestehen, daß ich dazu weder Beruf noch Lust in mir fühle. Ich halte dafür, daß es das Vorrecht des denkenden Menschen sei, sich auch in seiner Arbeit geistig zu verhalten, mit dem Kopfe zu arbeiten. Wie ungegründet dieser Vorwurf sei, als ob ich „arbeitsscheu“ wäre und sich diese meine „Untätigkeit“ durch meine jetzigen philosophischen] Studien vermehrt hätte, zeigt sich am besten darin, daß ich nie früher auch nur die Hälfte so viel gearbeitet habe, als gerade jetzt, seitdem ich zum Studium der Philosophie gekommen und daß ich z. B. jetzt ein Memoire an 75