Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 16)
- Language
- German
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Wanderung in dieses winzig kleine Gebiet. Damit ist gegen die jüdische Kolonisation von Palästina nichts eingewendet, und noch weniger wird ihr wirtschaftlich-politisch eine üble Prognose gestellt. Sie hat an sich keine geringen Aussichten, für sich betrachtet, zu gedeihen und vielen Tausenden, die sonst verkommen müßten, die Rettung zu gewähren. Die englische Macht wird grobe arabische Ausschreitungen im großen zu verhüten wissen, und auf die Dauer werden die heute noch sehr armen und ungebildeten Bauernmassen es doch merken, daß jüdisches Kapital und jüdische Intelligenz auch ihnen die größten Vorteile bringen. Es ist eben doch ein agrarisches Land und kann die Juden als Wirtschaftslehrer gerade so gut gebrauchen, wie dereinst Polen. Die beiden Gruppen werden also hoffentlich den Modus vivendi allmählich finden und Palästina zu dem machen, als das allein es auf die Dauer bestehen kann: zu einer levantinischen Schweiz. Und mehr noch: die Renaissance des jüdischen Geistes und der jüdischen Rasse, die sich, niemand leugnet es mehr, heute in der alten Heimat vollzieht, wird doch auch denjenigen, die in den Vaterländern verbleiben, Mut zu stärkerem Widerstande und eine höhere Geltung unter ihren Wirtsvölkem eintragen. Aber die Hoffnung ist leider utopisch, daß die augenblickliche Not der Juden in Balkan-Europa durch massenhafte Auswanderung nach Palästina 44