Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 17)
- Language
- German
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in dieser Zeit der Krisis wesentlich gelindert oder gar aufgehoben werden kann. Ja, wenn wir beliebige Zeit vor uns und unbegrenzte Mittel hinter uns hätten: es gibt keine absehbare Grenze für die Fassungskraft an Menschen, die ein Gebiet unter günstigen wirtschaftlichen Umständen entfalten kann. Die natürliche Fruchtbarkeit, die Fassungskraft für Landwirte und Gärtner, bildet nur die Grundlage der ersten Stufe der Entwicklung. Wenn diese überschritten ist, kann ein günstig gelegenes Land beliebig viel Nahrungsmittel importieren, wenn es sie mit Gütern der Industrie und Diensten des Handels bezahlen kann. Das ist heute die Situation Großbritanniens: das Land ist, nationalökonomisch gesehen, nichts anderes als eine Stadt des Weltwirtschaftskreises; — und eine solche Stadt könnte Palästina im Laufe der Zeit auch werden. Seine handelspolitische Lage ist die günstigste, die sich erdenken läßt. Hier kreuzen sich die riesigen Handelsstraßen, die Europa, Asien und Afrika verbinden, und hier ist gleichzeitig der vorbestimmte Umschlagsplatz, wo Land- und Seehandel ineinander übergehen. Ganz dieselbe geographische Lage, die, machtpolitisch gesehen, das kleine Land seit wenigstens 5000 Jahren zum Kriegsschauplatz und Durchmarschgebiet der großen Weltmächte machte und das unglückliche Schicksal des Volkes bestimmte, ganz die gleiche geographische Lage wird in einer Zeit der Befriedung der Welt sich als die größte Gunst 45