Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 15)
- Language
- German
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und Forderungen kommen als je zuvor in andere Länder. Wohin sie bis jetzt kamen, kamen sie als Privatleute mit nichts als privaten Absichten: zu arbeiten und zu leben; wenn sie dasjenige bildeten, was man heute eine , Minderheit“ nennt, so war es nur eine religiöse Minderheit, aber niemals ging die Absicht dahin, eine „nationale" Minderheit zu werden, und gewiß bestand nirgends die Hoffnung, gar die Mehrheit zu werden. Nur dagegen wehrt sich aber das Arabertum. Wie ich in meinem Gutachten an die zionistische Hauptleitung vor einigen Jahren ausführte, stellt Palästina heute nur eine winzige Provinz des europäischen Geistes und Marktes dar und leidet wie Europa selbst, oder besser, wie die ganze Welt des weißen Mannes, an den beiden schweren Volkskrankheiten des Nationalismus und des Kapitalismus, die im Grunde, wie gesagt, nur Symptome des gleichen tiefer liegenden Leidens sind: der Krise des Kapitalismus. Die Juden Palästinas, die heute dort wohnenden und die Zehntausende, die das Land in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten noch aufnehmen und verdauen kann, werden daher mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wie ihre Glaubensgenossen in Mitteleuropa. Und die Erleichterung, die den in Europa Verbleibenden durch die Auswanderung zuteil werden wird, wird kaum spürbar sein, da die innere Volksvermehrung voraussichtlich stärker sein wird als die 43