Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118688--7221-3118756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nur in ihrer religiösen Haltung, und nicht härter an als die übrigen Religionsgemeinschaften, Staatsreligion ist hier eben der Kommunismus Leninscher oder Stalinscher Fassung, und es entspricht ganz der ungeheuren Rückständigkeit Rußlands, daß er sich mit äußerster Intoleranz gegen die übrigen Religionen durchzusetzen strebt. Ganz das gleiche gilt für die Außenpolitik des Landes: man will nicht die russische Sprache und das russische Wesen über die Welt ausdehnen, sondern eben nur die russische Staatsreligion. Die ganze Stimmung ist sehr ähnlich der des frühen Christentums und vor allem der des Islam: selbstverständlich spielen neben den rein gesinnungsmäßigen, fast religiösen Beweggründen auch noch andere ihre Rolle, ganz wie im Islam: das System kann nur bestehen, wenn es auf der ganzen Linie siegt, es muß angreifen und siegen, um nicht besiegt zu werden. So leiden hier die Juden nur insoweit, wie sie an ihrer eigenen Religion festhalten, und damit nahe zusammenhängend ist die antizionistische Einstellung der Sowjets. Es wird von dem Schicksal des Systems abhängen, was das Schicksal der russischen Juden sein wird. Wenn es zu einer blutigen Reaktion kommt, so wird man leider mit fürchterlichen Pogromen zu rechnen haben, weil ja von Trotzki an viele Juden in der revolutionären Bewegung führende Rollen gespielt haben: daß viele andere Juden durch die Sowjets als