Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1931-01-01 · 29 (1931) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
29 (1931)
Article
Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
Date
1931-01-01
Page
Seite 35 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111124-3118688--7220-3118755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

scheinlich ist. Man beurteilt die letzten deutschen Wahlen völlig falsch, wenn man darin nichts erblickt als eine Stärkung der extremen Rechten. Entscheidend ist, daß sie eine antikapita - listische Mehrheit in den Reichstag entsandthaben. Betrachten wir nun im Lichte dieser Grundidee die Weltlage des Judentums in dieser Zeit: Wir beginnen mit Rußland, dereinst, in seinen Grenzen zur zaristischen Zeit, dem Wohnlande weitaus der meisten Juden der Welt. Hier hat der Kapitalismus eine gewaltige Niederlage erlitten. Ob diese Niederlage eine entscheidende war, ob das System der Sowjets sich durchsetzen oder friedlich umformen oder schließlich durch eine blutige Revolution gestürzt werden wird, das ist nicht unsere Sache, hier zu erörtern, selbst wenn wir in der Lage wären, mit Sicherheit zu prophezeien, wozu wir nicht in der Lage sind. Dementsprechend scheinen in Rußland, wo die Mittelstände nicht bloß herabgesunken, sondern geradezu ausgerottet worden sind, und wo die private Konkurrenz kaum noch in den schwächsten Resten wirkt, der Nationalismus und der Antisemitismus einen wesentlich anderen Charakter zu haben als auf dem vergrößerten Balkan, zu dem wir leider auch unser Deutschland zur Zeit rechnen müssen. Der Nationalismus der herrschenden Sowjets richtet sich durchaus nicht nach innen gegen die nationalen Minderheiten im Staate und greift die Juden 3* 35

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.