Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Ludwig Stein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 9)
- Language
- German
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die natürlichen Individualinteressen niederzuzwingen als wir heutigen. Und die Logik der Geschichte verkündet ihm das prophetische Wort: „Die Menschheit will eins werden". Den auf monotheistischer Grundlage beruhenden sozialen Optimismus definierte er mit folgenden Worten: „Die große Linie der sozialen Entwicklung des Menschengeschlechts geht, aller scheinbaren Rezidive in Barbarei ungeachtet, vorwärts, aufwärts". Diesen Optimismus, von Stein in seiner kleinen Schrift ,,Die Juden in der Philosophie der Gegenwart“ auch als ,,energetischer“ bezeichnet, setzte er dem Spenglerschen Pessimismus entgegen. Der von Begriffen geleitete Kulturmensch sieht die Welt als geordnetes Erlebnis, wie er durch Rechts¬ und Staatsgrundgesetze seine geordnete Stellung auch im Staate findet. Aus dem Chaos schafft er sich den Kosmos: deshalb benötigt er für das Universum ein einheitliches Weltprinzip: Gott. Und so kleiden sich alle religiösen Weltanschauungen in ein metaphysisches Gewand, wobei man zwei Grundtypen unterscheiden muß, den religiösen Pessimismus und den religiösen Optimismus, für den Stein den je prägnantesten Ausdruck findet in „Es war“ und „Es wird sein“. Beide treten nebeneinander, nicht nacheinander auf. Stein hat Recht, dem Spenglerschen Pessimismus einen Optimismus entgegenzusetzen, dessen Realisierung er zwar ebenfalls nicht verbürgt, aber aus dessen hoffnungsfroher und tat- 27