Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 178 (sequence 13)
- Language
- German
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- 178 — III. Zu den Herbstfeiertagen des Jahres 1893 erschien in der „Zeitung des Judentums" ein Leitaufsatz') von Gustav Karpeles, der im Hinblick auf den religiösen Jndifferentismus der Zeit die Gemeinden im Reiche auffordert, überall Vereine einzurichten, um dem Verfall der jüdischen Wissenschaft zu steuern, um die „Freude an der Thora" neu zu beleben. Die Anregung fiel auf fruchtbaren Boden; es war damit für die Eesamtjudenheit das „Wort" der Zeit ausgesprochen worden. Und bald liefen von allen Seiten aus dem Reiche Mitteilungen und Anfragen ein, die Rat in bezug auf eine Gründung und Ausgestaltung solcher Vereine erheischten. Karpeles war unermüdlich tätig. Er stand willig Rede und Antwort. Durch persönliche Aussprache, durch Vorträge, durch Agitationsmaterial. Ihm zur Seite an bevorzugter Stelle stand fein treuer Mitarbeiter Albert Katz (gest. 1923). Von Hannover besagt ein Bericht aus damaliger Zeit: „Dank der energischen Agitation, die Herr Albert Katz dort entwickelt hatte, wurde am Sonnabend, den 7. d. Mts. (Oktober 1893), in Hannover ein Verein gegründet, der nach einem einleitenden Vortrag des Herrn Dr. Gustav Karpeles sich sofort konstituierte." Sämtliche Anwesende traten bei, darunter Eronemann, Kroner, Keyserling u. v. a. Von Hannover ging es nach Marburg, wo Hermann Cohen sich warm der Gründung annahm, und bald konnte man von Vereinen berichten, die in Breslau, Hamburg, Karlsruhe, Kassel und weiter entstanden. Was noch im Februar 1892 von einem Berichterstatter in der „Zeitung des Judentums" unter „Rah und Fern"' als originell °) bezeichnet wurde, war Ende 1893 fast eine Selbstverständlichkeit geworden?) Mit der Anregung zur Gründung von Vereinen ließ man sich jedoch nicht genug sein. Sollte das begonnene Werk Bestand haben, die Begeisterung und Bewegung sich nicht verlieren, sondern vielmehr stetig wachsen und sich erhalten, so mußte auch auf die bereits bestehenden Bereineund ihre Erhaltung geachtet werden. Und das, sah