Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 172 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 - Rechte? Und was kann ich dafür leisten, die Begriffe, um die es sich dort handelt, aufzuklären? Nach einer Erklärung, was unter jüdischer Geschichte und Literatur M verstehen sei, sagt er von den Literaturvereinen: „Wir treiben hier Geschichte des Judentums zu keinem andern Ende, als damit wir gute Juden seien, damit wir gute Juden bleiben, wenn wir es sind, und werden, wenn wir es nicht sind." Und er empfiehlt ganz besonders die Pflege des biblischen Schrifttums. Der Verein treibe keine Literaturgeschichte, dafür aber desto mehr Literatur und vor allem bleibe er bedacht, volkstümlich und aufklärend zu wirken. Lazarus hatte damit ausgesprochen, was sich allen mehr und mehr mit Deutlichkeit als die Aufgabe des neuen Vereins herausgestellt hatte: Vermittelung der Kenntnis jüdischer Geschichte und Literatur in gemeinfaßlicher Form und — das nicht nur. wie es im Anfang in erster Linie gedacht war, zum Zwecke der Abwehr, sondern auch ganz besonders, um den Juden selbst und für sich „zum guten Juden" zu erziehen. Dank dem Vorstande und seinen Mitarbeitern entfaltete sich nun eine rege Tätigkeit, die. so sehr auch die Ungunst der Verhältnisse oft lähmend auf den Verein wirkte, doch nie völlig erlahmte. Der Schwerpunkt lag in den Vorrrägen. dem mündlichen Wort, der persönlichen Aussprache. Einzelvorträge und zusammenhängende Vortragszyklen, die bald fachwissenschaftlicher Art, bald populärwissenschaftlich gehalten wurden, wechselten miteinander ab. Daneben fanden sogenannte Diskussionsabende statt, die das größte Interesse erweckten und besonders anregend und aufklärend wirkten. Die Jugend besonders kargte dabei nicht mitZweifelfragen und Anklagen über „Veraltung" und „Erstarrung", und die Lehrenden hatten hier die beste Gelegenheit, zu belehren und auszugleichen. Die Vortragenden gehörten allen Fakultäten und Konfessionen an; alle waren bestrebt, die nähere Verbindung zwischen ihrem Wissensgebiet und dem Kultur- und Geistesleben des jüdischen Schrifttums alter und