Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 159 (sequence 21)
- Language
- German
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— 159 Gläubigkeit sie Wohl nicht mit Unrecht zweifelte, verbannen und deren Vermögen einziehen.^- Einer solchen radikalen Maßregel widersetzte sich aber der Pizekönig, sei es, daß ihn die Lusitaner — sechstausend an der Zahl — bestachen, sei es, weil er durch die plötzliche Vertreibung der tatkräftigsten Elemente üble wirtschaftliche Folgen für das ihm anvertraute Land fürchtete Jedenfalls war aber das Judentum seit dieser Zeit in Peru und seinen Nebenländern entwurzelt. Nur vereinzelte Fälle, nicht aber mehr ganze Gemeinden werden von dem Glaubensgerichte abgeurteilt. So gab es im Jahre 1664 einen Prozeß gegen den schon früher erwähnten Enriquez de Fonseca, feine Frau und seinen Schwager Luis Rivevo; zwei Jahre später gegen Alvaro Roüriguez und 1722 gegen einen Italiener, Teodora Cadiotti.^) Beide starben während der Untersuchungshaft im Kerker. Die letzte Verbrennung eines Hebräers, die überhaupt in Lima vorkam, erregte das größte Aufsehen, denn es handelte sich um eine angesehene Dame^) des Kolonialadels, Doüa Maria Franzisca Ana de Castro de Toledo. Sie bekannte sich trotz Folier und Marter offen zum Judentums und wurde ain 23. Dezember 1736 als „gesetzestreue, überzeugte, das Christentum verneinende, verstockte"^) Jüdin verbrannt. Das Volk, welches die durch Schönheit und Edelmut sich auszeichnende Frau sonst abgöttisch verehrte, überhäufte ste auf ihrem letzten Gange niit Schmähungen, denen sie stolze Verachtung entgegensetzte. Vor dem Holzstoß angelangt, löste sie sich allein die Haare, band sich selbst den Strick um den Leib, und bestieg erhobenen Hauptes den Scheiterhaufen, wo man sie sogleich an den Pfahl band. Diese Hinrichtung hat offenbar unter den Zeitgenossen einen großen Eindruck hinterlassen. Das Leben und Leiden der schönen Castro war nicht nur die Grundlage eines leider verschollenen Romanes^), sondern im nächsten Autodafö (11. November 1737) wurden zwei Zuschauer bei der Verbrennung Doüa Anas wegen Lästerung bestraft. Der erste, ein Geistlicher Nicolas Flores hatte öffentlich behauptet, daß die Inquisition nicht richtig mit der schönen Jüdin verfahren war, während ein Soldat, Juan