Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 157 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 157 aüsgeschlagenen Saal blicken konnte. Auf einem Altar befand sich ein angesehener Bürger der Stadt, der Portugiese Manuel Bautista Perez, und um ihn herum an hundert mit weißen Leinengewändern bekleidete Landsleute von ihm, welche aufmerksam einer für den Lauscher unverständlichen Rede des Perez zuhörten. Hinter der Kanzel befand sich aber ein großes Kruzifix, und als die Predigt beendigt war, stürzten sich alle Anwesenden, mit Peitschen in der Hand auf das Jesusbild, um es zu -geißeln. Nur Perez blieb während dieses Vorganges auf seinem Sitze, schien aber durch sein Schweigen diese gotteslästerliche Handlung zu billigen. Der Späher entfloh entsetzt über diese Schandtat, meldete sie stracks dem „heiligen Amte", welches wenige Stunden später alle Teilnehmer an dieser Versammlung, an hundert portugiesische Kaufleute, verhaftete. Dem Hebräer Perez aber gaben die gottesfürchtigen Limenser den Beinamen „Pilatus", das noch erhaltene Gebäude, in dem sich diese Geschichte zugetragen hat, heißt bis auf den heutigen Tag „das Haus des Pilatus". Die „Peruanische Legenden", denen diese Sage Wortgetreu entnommen ist, wurden um 1860 verfaßt, inzwischen ist aber, wie der Autor dieser Legenden, Ricardo Palma, in einem Briefe dem Verfasser mitteilte, das Pilatushaus abgerissen worden und hat einem Neubau Platz gemacht. Das einzige, was noch in Lima an die Juden während der Kolonialzeit erinnert, ist der Namen einer Gasse, welche bis auf den heutigen Tag „calle de Indios" (Judenflraße) heißt. In derselben war nämlich die Mehrzahl der Genössen des Manuel Perez ansässig gewesen, und wurde später, jedesmal wenn ein Autodafö stattfand, dort ein Reliefbild aufgehängt, das eine Anzahl in der Hölle schmorende und von Teufeln betreute Hebräer darstellte. Die Volkstradition entspricht, wie wir sehen, nicht völlig der geschichtlichen Wahrheit; denn das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinschaft in Lima psiffen sich seit (Jahrzehnten die Spatzen von den Dächern; nur mußte das Glaubensgericht zu seinem Leidwesen sie bis zum Jahre 1615 ignorieren. In den Untersuchungsakterr