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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 156

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Die Juden im Amerika spanischer Zunge
Date
1927-01-01
Page
156 (sequence 18)
Language
German
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— 156 — ' «in Grund seine Politik zu ändern, zumal es ja natürlich leichter war, die wirtschaftlichen Organisationen, welche die Portugiesischen Juden geschaffen hatten, nachzuahmen, als einst sie in neuen und zum Teil unerforschten Ländern in die Wege zu leiten. Es hieß einfach: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen " So konnte das peruanische Glaubensgericht endlich am 16. Mai 1638 einen großen Streich wagen, indem es nachts siebzehn der angesehensten portugiesischen Kaufleute als heimliche Marranen verhaften ließ. „Das Poll war entsetzt und verängstigt" berichten die Chroniken, „wagte aber nicht, gegen das Glaubensgericht zu revoltieren" Diese Ausführungen können wohl als indirekter Beweis dafür gelten, daß die Bevölkerung Limas in dieser Zeit weder fanatisch war, noch in ihrem Erwerb durch die jüdischen Kaufleute und Industriellen litt. Kühn gemacht durch diesen ersten Erfolg kerkerte die Inquisition am folgenden Tage noch zwölf andere bekannte Bürger als verstockte Juden ein, und dann folgten die Verhaftungen Schlag auf Schlag, so daß neue Gefängnisräume in aller Eile erbaut werden mußten, obgleich man sicherlich bei der Unterbringung der Verdächtigen nicht allzuviel hygienische Rücknchlen walten ließ. Diese Masseneinkerkerungen haben auf die Volksseele einen derartigen Eindruck gemacht, daß sich über dieselben bis heute eine Legende erhalten hat, wohl das einzige Andenken der kreolischen Bevölkerung an die Gegenwart von Juden im spanischen Amerika. Diese Volkssage lautet: „Es war im Jahre 1638 unseres Heilands, alsein in der Milaqro Straße gelegenes Haus an einen angesehenen Portugiesischen Kauimann vermietet ward. Als eines Nachts «in aus dem Wirtshause heimkehrender Zechbruder dort vorbei kam, sah er erleuchtete Fenster und hörte leises Gemurmel. Da auch die Haustür aus Versehen nicht geschlossen war, trat der Nachtschwärmer ein, in derMeinung, daß hier noch eine Schenke offen stände. Der Eindringling geriet in einen langen dunklen Korridor, der auf ein erhelltes, nicht verhülltes Fenster auslief, so daß er durch dasselbe in einen mit Kerzen erleuchteten und schwarz

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