Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 155 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 155 — Andres Juan Gaitun und Antonio de Castro y de Castelli sich veranlaßt sahen, eine gedruckte Abhandlung über den Prozeß zu veröffentlichen. „Bericht des höchsten Rates der heiligen und allgemeinen Inquisition über den Bachiller Francisco de Silva mit Beinamen „Heli Nazareno" oder „Unwürdig des Gottes Israel."^) Ein zeitgenössischer Chronikenschreiber Fernandez Montesano zu Lima nennt den unglücklichen Arzt „den besten Juden Perus"; auch bis nach der alten Welt drang die Kunde seiner Leiden. So spricht unter anderen Manasse ben Israel in dem schon erwähnten Buche „Die Hoffnung Israels" vom Märtyrertode des Doktor Silva. Wenn die Inquisition die Verbrennung dieses Opfers jahrelang verzögerte, so lag, wie schon angeführt, der Hauptgrund darin, daß man immer noch einen Protest, des Kolonialamtes von Sevilla fürchtete. Im Jahre 1638 wandten sich aber die Glaubensrichter offiziell an diese Behörde mit dem Verlangen, wieder radikal gegen die immer mehr um sich greifende Niederlassung von Juden, die meist aus Portugal stammten, einschreiten zu dürfen. Von dem richtigen Standpunkte ausgehend, haß seinerzeit das Toleranzedikt lediglich aus wirtschaftlichen Gründen erlassen worden war, bemühte sich das Glaubensgericht auch nicht viel, der Sache einen religiösen Anstrich zu geben, sondern erklärte klipp und klar, daß die „portugiesischen" (alias jüdischen) Kaufleute nicht nur den Großhandel beherrschten, sondern auch ein spanischer Kleinhändler nur dann existieren könne, wenn er sich mir einem ^portugiesischen" Kaufmanne assoziere?") Das Duldungsdekret war seinerzeit, wie schon erwähnt, erlassen worden, um Handel und Wandel zu organisieren und in die Wege zu leiten, so daß die kleinen Geschäftsleute, für deren Beruf sich ein Teil des spanischen Volkes gut eignet, eine Existenzmöglichkeit hätten. Wenn nun —wie die Inquisition behauptete und wie es möglicherweise auch der Fall war — auch diese Krämer von den hebräischen Händlern wirtschaftlich an die Wand gedrückt wurden, so war dies, vom Standpunkt des kastilianischen Kolonialamtes aus, das jede Spur von religiöser Duldung bar war, allerdings