Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 154 (sequence 16)
- Language
- German
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— 154 - Versuchte zunächst den Arzt zu bekehren, schickte ihm einen Beichtvater in die KerkerzeUe und gab ihm die Kirchen-. Väter sowie andere Erbauungsschriften zu lesen. Silva studierte dieselben, schrieb dann in lateinischer Spracheeine Rechtfertigung des israelitischen Glaubens unb dichtete ein Sonett zu Ehren des Judentums. Diese Schriftstücke fanden natürlich bei den Glaubensrichtern nur mangelhaftes Verständnis; sie nahmen daher zn Disputationen ihre Zuflucht und sandten ihre gewandtesten Redner ins Feuer. Es fanden im Laufe der Zeit zwölf solcher Redeturniere statt, die je sieben Stunden bauerten, aber ebenso wenig wie die in früheren Jahrhunderten in Spanien üblichen zu einem praktischen Resultate führten. Schließlich wandte man die Folter an, und da auch diese den tucumanischen Arzt nicht zum Widerruf bewegte, so^ verurteilte man ihn endlich im Jahre 1638 zum Feuertode. Da gelang es ihm, sich aus in seiner Zelle befindlichem Maisstroh, einen Strick anzufertigen und mittelst desselben durch das Fenster zu entfliehen. Silva versteckte sich in den weitläufi en Baulichkeiten der Inquisition, drang nachts in Zellen, die wegen verschiedener Vergehen angeklagte Häftlinge beherbergten, und predigte denselben das mosaische Glaubensbekenntnis. Vier Gefangene bekannten später den entsetzten Inquisitoren, daß der Arzt sie bekehrt und ihnen Empfehlungsbriefe an den Rabbiner von Rom mitgegeben hat, wohin sie sich nach wiedererlangter Freiheit halten begeben wollen, um dort in aller Form in das Judentum einzutreten. Schließlich wurde man jedoch dieses gefährlichen Menschen, der im Begriff stand, aus den hohen Hallen des heiligen „Amtes der Nachforschung" eine Judenschule zu machen, wieder habhaft, verzichtete jedoch auf weitere Disputationen und Bekehrungsversuche, zumal er — sicher in Folge der liebevollen Behandlung — taub geworden war. Seine Verbrennung verschob man aber auf das große Autodafs, das am 23. Januar stattfand und von dem später noch berichtet werden soll Die Verhaftung und Verurteilung des Doktor Silva hatte aber soviel Staub aufgewirbelt, daß seine drei Richter Juan de Manoza,