Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 150 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 350 — Dieser Lizentiat war offenbar ein besonders streit» süchtiger Herr. Da ihm die Mönche ein Schnippchen geschlagen halten, wollte er seinerseits an ihnen sein Mütchen kühlen und sperrte eines Tages einen alten, im' Kloster wohnenden Priester Diego Lopez, Verwalter und Beichtvater^) des Limenser Erzbischof, als des Judentums verdächtig ein. Einer seiner Späher, Jeronimo de Agrelo, wollte durch das Schlüsselloch der Zelle den alten Lopez beobachtet und gehört haben, wie derselbe zu einem Christusbild spöttisch sagte: „Du Schwindler, Du Betrüger, mit Recht hat man Dich zwischen zwei Dieben gekreuzigt!". Der Ketzerrichter stellte nun fest, daß. Verwandte des Lopez seinerzeit in Valladolid als verstockte Juden verbrannt worden waren, und daß sein in Lima ansässiger Sohn Lopez vor seinem Eintritt in das Kloster verheiratet und später verwitwet — die Gewohnheit hätte, beim Vorzeigen der heiligen Hostie den Kopf wegzudrehen. Aber diesmal hatte der Lizenziat seine Rechnung ohne den Erzbischof in Lima gemacht. Der Sohn des Angeklagten Diego Lopez — Piüelo. eilt1 Schriftsteller von Ruf, warf feinen ganzen Einfluß in die Wagschale, so daß der Limenser Großinquisitor nach Buenos Aires den Befehl sandle, sofort den Prozeß niederzuschlagen, während der Erzbischof, um der Familie Lopez sein Vertrauen und seine Huld zu beweisen, den Sohn zum Professor des Kirchenrechtes an der Universität zu Lima ernannte. Die Proteste des bonarensev Glaubensrichter verhallten un gehört.^) Trotz dieses übereifrigen Mannes sind unstreitig in der Zeit von >605 bis 1638 eine große Zahl Hebräer in Buenos Aires gelandet und, haben sich von dort über das ganze Land verbreitet. Ganz, besonders scheint dies in der Stadt San Miguel de Tucuman^) der Fall gewesen zu sein, so daß, wie schon erwähnt, der Vorschlag gemacht wurde, dort wegen der' „unzählbaren Menge der Juden" ein besonderes selbständiges Glaubensgericht einzurichten (1636). Wir kehren wieder zu der Zentrale der Inquisition in Lima zurück, die wir in dem Augenblick verlassen hatten^ als sie zögernd dem Toleranzedikt von 1605 Folge leistete^.