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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 143

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Die Juden im Amerika spanischer Zunge
Date
1927-01-01
Page
143 (sequence 5)
Language
German
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- J 4S -- nbends wird gerastet; sind die Pferde oder Maultiere schwach, und hat man grade einen guten Weidegang sowie Tränke gefunden, so bleibt man auch wohl ein oder zwei Tage liegen. Irgend ein verdorrtes Unkraut oder Buschwerk, im Notfall getrockneter Dung dient den Männern als Heizmaterial, um sich aus mitgeführtem Dörrfleisch, unterwegs erjagten Gürteltieren, Rebhühnern oder einem mehr oder weniger einwandssrei erworbenen Schäflein ein Mahl zu bereiten. Dazu kommt ein kugelrunder, „galleta" genannter Schiffzwieback; im Süden des Gebietes der durststillende Paraguaytee,während man in den nördlichen Teilen des ehemaligen Vizekönigreiches zu demselben Zwecke Kokablätter kaut. Unter dem Wagen hält der Fuhrmann seine Siesta, ebendaselbst schläft ec bei Nacht, oder kauert bei Unwetter tagelang auf diesem wenigstens halb trockenem Platze, und kriecht nur heraus, um nach seinen Zugtieren zu sehen, die im allgemeinen den Karren als ihre Heimat betrachten und sich nicht weit von ihm entfernen. Im Hochgebirge müssen die Waren auf Maultiere umgeladen werden, und da jedes derselben nur 80 Kilogramm Last tragen kann, so ist die Mühe und das Risiko doppelt groß. Es ist unschwer zu verstehen, warum die spaniolischen Marranen sich diesen entbehrungsreichen und oft gefahrvollen Beruf, der ihnen von Hause aus fremd war, mit Vorliebe in Amerika auswählten. Erschwerte doch diese ambulante Lebensweise den Spähern der Inquisition die Kontrolle über ihr Tun. und so mag denn mehr als eine Karawane peruanischer Fuhrleute eine kleine wandernde Judengemeinde gewesen sein, die fern von den besiedelten Landstrichen auf ihren Fahrten die vorschriftsmäßigen Gebete verrichtete, ani Sabbat rastete, an den Fasttagen sich jeder Nahrung enthielt und sich zu den Osterfeiertagen selbst die ungesäuerten Brote zubereitete. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, das die Arbeitgeber dieser Fuhrleute, die Kaufleute und Bergwerkbesitzer auch oft Marranen waren, die ihr Tun und Treiben nach Möglichkeit verdeckten, und denen sie selbst als zuverlässige Boten an die in anderen Orten wohnenden Glaubensgenossen dientern Achten wir

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