Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 144 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-144 — auf die Städte im peruanischen Vizekönigreich, in welchen am häufigsten heimliche Juden ertappt und eingekerkert wurden, so werden wir finden, daß dies in Buenos Aires, Tucuman, Potosi und Lima der Fall war, genau die Route, auf welcher die Waren von und nach Europa transportiert wurden. Die mehr als kurzsichtige Kolonialpolitik Spaniensgab aber neben den Fuhrleuten noch einem anderem Gewerk große Bedeutung, das allerdings bedeutend weniger ehrenwert ist, unter den damals obwaltenden Umständen aber fast eine soziale Notwendigkeit war, nämlich dem der Schmuggler?) Es blühte besonders an den Usern des La Plata und von Chile, zumal die lokalen Behörden bei einer angemeffenen Gewinnbeteiligung oftmals beide Augen zudrückten. Die Konterbandisten waren ineist portugiesischer, englischer oder holländischer Nationalität, bei ersteren waren des öfteren geheime, bei letzteren offenkundige Juden beteiligt. Wir werden später noch auf dieselben zurückkommen. Am 9. Januar 1571 hielt der erste Großinquisitor Pedro Cervan de Cerezuela seinen feierlichen Einzug in Lima und begann sogleich mit seiner „segensreichen Tätigkeit". Bereits zwei Jahre später fand das erste Autodafe unter der neuen Verwaltung statt; doch war dabei kein Israelit beteiligt?") Bei dem zweiten Glaubensseste am 15. November 1573 wurde jedoch der Kunststicker Diego de la Rosa wegen seines Rückfalls zum Judentum gegeißelt, auf vier Jahre aus seiner Heimatstadt Quito und sechs Jahre auch aus dem Nachbarort Trujillo verbannt, zu gleicher Zeit dauernd unter Aussicht der Inquisition gestellt. Schlechter kam sein Gefährte Manuel Lopez davon, der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt: wurde. Derselbe war aus Sevilla vor der Inquisition geflohen, nahm in Amerika den Namen Luis Coronado an, und sucht seine Spur durch eine Reise nach Mexiko zu verdecken. Aber alles war vergeblich; nach seiner Rückkehr in die „Stadt der Könige" wurde er von den Schergen des Glaubenstribunals verhaftet. Das dritte Autodafö (1587) zeigte keinen Hebräer unter seinen