Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Das Vermächtnis eines jüdischen Vaters
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 129 (sequence 20)
- Language
- German
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- 129 — erkennbar ist. Und die Schüler sollen fleißig beobachtet werden, daß sie in Lehre und Leben ihre Pflicht tun, und daß sie sich nicht mit weltlichen Büchern abgeben. Sie sollen die Ecken des Haupthaares nicht entfernen und nicht den Bart rasieren, und wer Spuren von lasterhaften Ansichten verrät, den sollt ihr von euch entfernen, denn „giftige Fliegen machen das Oel des Salbenmischers gärend" (Koheleth 10, 1.) Ein Schüler, dessen Inneres nicht seinem Aeußeren entspricht, soll nicht das Lehrhaus betreten. Ueber die Ordnung im Lernen brauche ich nichts zu sagen, denn, wer auf der Stufe der Reife ist, wird das selbst einsehen. Nur will ich euch raten, regelmäßig fortlaufende Studien zu treiben, und nicht einzelne Themata auszuwählen, wie es häufig in den Hochschulen unseres Landes geschieht, und wie auch ich es zuweilen getan habe. Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß dies nicht zu dem erwünschten Ziele führt, denn die meisten Schüler haben keinen Vorteil von der übermäßigen Vertiefung in einzelne Gegenstände, und sie ist ihnen nur eine Last und ein Joch. Deshalb muß euer Augenmerk darauf gerichtet sein, daß ihr Kenntnisse und Erfahrung in der Gemara und in den Eesetzesentscheidungen von ihnen verlangt. Daran sollen sie sich stets gewöhnen, daß sie mit Verstandesarbeit und mit eindringlicher Vernunft eine Sache aus der anderen folgern, eine Sache mit der anderen vergleichen, damit die Wahrheit gefunden werde. Und noch eins muß ich hinzufügen: Bei allen Dingen muß man sich, wie der Chobot Halebabot sagt^), vor dem Allzuviel hüten, weil die Fülle des Oeles das Leuchten des Lichtes verhindert. So ist es auch bei dem Studium auf einer Jejchiwah. Wenn unsere Weisen sagen: Stellet viele Schüler auf, so soll auch das mit Maß geschehen, besonders in unserer Zeit, wo man die Schüler scharf im Auge behalten muß. Das ist bei einergroßen Anzahl von Schülern nicht möglich. Besser ein Wenig mit Ernst, als Viel ohne Ernst. Das habe ich selbst erfahren. Diese Vorsicht in bezug auf die Zahl bezieht sich auch auf die Qualität. Ihr sollt nicht Schüler »