Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Das Vermächtnis eines jüdischen Vaters
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 120 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 der anderen Erklärer heran, die auf heiligem Boden stehen. Aber hütet euch, alte oder neue Erklärungen der gegenwärtigen Rationalisten zu lesen; wenn auch scheinbar keine Anleitung zu Anrecht und keine Irrlehren sich darin finden, so wird doch der Kenner in ihrer Erundstimmung Dinge wahrnehmen, die unserer Tradition widersprechen. Ich habe außerdem schon ausgeführt, daß ihr kein Buch lesen sollt, wenn ihr nicht überzeugt seid, daß der Verfasser ein gottesfürchtiger Mann ist. Ebenso sollt ihr je ein Drittel eurer Muße der Mischnah und dem Talmud widmen. 6, Eine andere Frage, die dem Menschen am Tage des Gerichtes vorgelegt wird, ist die Frage: „Hast Du Dich mit Eifer der Weisheit hingegeben?" Hierunter ist die Vertiefung in das Studium verstanden, damit Man die Ansichten und Gründe für die gesetzlichen Bestimmungen verstehe. Ist einer aber nicht fähig, in die Tiefe zu dringen, so soll er sich nicht mit der Aufstöberung von Fragen und Antworten abmühen, um den Gegner aus dem Sattel zu heben. Die Vertiefung in ein Problem soll den Menschen auch nicht zum Zorn und zum Uebelnehmen verleiten, so daß er seine eigene Meinung als die alleinrichtige hinstellt. Die Morallehrer zerlegen das Wort „Chochma" in „koach mah". d. h. die wahre Weisheit ist die Kraft, sich selbst zu fragen, „wie wenig bin ich." 7. Es ist besonders zu empfehlen, daß sich ein jeder einen Traktat aus dem Talmud auswähle, um mit diesem vollständig vertraut zu sein; ich habe gehört, daß man einen solchen Traktat nennt: die olam habamasechta. Auch im Schulchan aruch soll man sich einen besonderen Abschnitt aussuchen, um mit diesem besonders vertraut zu sein. So heißt es auch im Talmud von Rabba bar Nachmensi'): „Ich bin bewandert in der Lehre von den körperlichen Schäden". Das sagt er nicht, um sich zu rühmen, sondern um andere zu mahnen, es ihm gleich zu tun. .