Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Das Vermächtnis eines jüdischen Vaters
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 118 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 118 — Kraft des bösen Triebes und erhält von seinem Genossen einen guten Rat, der einem den Weg zu Gott zeigt". So sagt Maimonides") in den Vorschriften über die Sinnes» arten des Menschen: „Es liegt in der Natur des Menschen, daß er sich in den Anschauungen und Taten nach seinen Genossen richtet. Deshalb soll sich der Mensch ernsten und würdigen Menschen anschließen und steten Verkehr mit dett Weisen suchen, damit er von ihren Taten lerne". Achtet hierbei nicht auf den Spott der Eingebildeten, denn ich habe selbst häufig erprobt, dass dies in unserer Zeit ein wichtiges Mittel ist, Sittenreinheit zu gewinnen. Der wahre Weise ist der, der eine Sache erprobt hat. Das habe ich getan, deshalb soll diese Forderung für euch ein unverbrüchliches Gesetz sein. Aber ich wünsche, daß der Mann, den ihr aufsucht, ein bewährter Mann sei, der gebildet und kenntnisreich ist, und welchen erprobte Menschen aufzusuchen pflegen. Aber eine wichtige Bemerkung muß ich hierbei machen, um nicht in die Netze des bösen Triebes verstrickt zu werden. Es gibt keine hohe und edle Angelegenheit, wo nicht durch eine falsche Anwendung mehr Schaden als Nutzen gestiftet wird. Deswegen will ich euch nicht vorenthalten, was in dem Buche Szur Merans mitgeteilt ist: „Eine Frage des Gerichts ist: Bist du redlich und wahr in deinem Elaubensleben gewesen; d. h. du sollt nicht törichterweise alles glauben, selbst wenn dein Lehrer anerkannt und berühmt ist, selbst wenn er ein untadeliges Leben führt, sollst du. wenn von ihm irgendeine Tat oder eine Geschichte erzählt wird, ihr nur dann Glauben schenken und ihm darin nachzuahmen suchen, wenn du genau erforscht: hast, aus welchem Grunde dein Lehrer auf diese Weise sein Leben führt. Selbst wenn seine Eigenart dir gefällt, hast du dennoch zu untersuchen, ob nur die Sympathie für deinen Lehrer deinen Beifall an seiner Lebensart findet, oder ob seine Handlungsweise absolut: richtig und begründet ist. So heißt es in dem Buchs Noam Elimelech: „Manchmal ist eine solche Handlungsweise, alles seinem Lehrer nachzuahmen, eine Ark