Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Das Vermächtnis eines jüdischen Vaters
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 114 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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114 — Wundert euch nicht, geliebte Kinder, daß ich bei diesem Gegenstände so lange verweile; denn wisset, es ist kein unwichtiger Gegenstand; ist das doch die Erundlehre der ganzen Thora. Zn unserer so armseligen Zeit ist es doppelt nötig, zum Festhalten an den Glaubenssätzen zu mahnen. Denn wohin sich der Mensch jetzt wendet, steht und hört er leider Abfall und Irreligiosität. Wir müssen von unseren Gedanken und Ueberlegungen alles entfernen, was ihnen schaden könnte. Das ist eine zarte geistige Sache. Der Gedanke an die Unterordnung unter Gottes Herrschaft, der durch die dreizehn Glaubenssätze gelehrt wird, bindet den Menschen, wenn er sie etliche Male des Tages überdenkt, an Gott und umgibt ihn mit dem Wohlgefallen Gottes wie mit einem Panzer. Darum soll euch dieses nicht unwichtig sein, denn der böse Trieb ruht und rastet nicht und ist stets auf der Lauer, um sich auch bei dem strenggläubigen Juden einzunisten, und wenn es auch mit dem geringsten Gedanken des Abfalls ist. Denkt an das, was in den heiligen Büchern eurer Vorfahren gesagt ist: Gerade wenn der Mensch von der Welt scheidet, kommt häufig der Verführer und verleitet ihn, den Glauben zu verleugnen. Geradewenn der Mensch sein Ende herannahen fühlt, soll er sich darum im Gebete an Gott wenden. Und so erkläre ich, daß ich mit voller Andacht und unter Entfernung aller fremden Gedanken an den einig einzigen Gott fest glaube. Ich bin bereit, sein Urteil auf mich zu nehmen, und alle Fehler, die ich mir gegen seinen großen Namen habe zuschulden kommen lassen, wieder gut zu machen. Möge er mir den Verstand und die Kraft des Herzens geben, meine Seele zu reinigen und ihm in voller Wahrheit zu dienen. Immer noch hoffe ich auf ihn, daß er mir vollständige Heilung senden werde, und daß sich an mir erfüllen wird das Wort des Psalms „Noch im Greisenalter sind sie markig und grün belaubt" (Psalm 92, 15). Auf ihn vertraue ich, möge er mich nicht beschämen, wenn ich auf ihn vertraue. Sollte er mich aber aus dieser Welt heimführen, so bin ich bereit, ihm meine Seele mit Jubel und Freude zu übergeben. Möge er