Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Das Vermächtnis eines jüdischen Vaters
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 111 (sequence 2)
- Language
- German
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- 111 — Das vorliegende Testament hat zum Verfasser den „Chuster Raw", Rabbi Moses ben Amram Grünwald, einen der bedeutendsten Rabbiner Ungarns aus der neuesten Zeit. Der innige Ton und die eindringliche Art dieses letzten Willens lasten es als wertvolles Dokument jüdischen Familienlebens aus dem letzten Jahrhundert erscheinen. Der Verfasser steht völlig auf dem Boden des ungarischen Chassidismus. Daher muten uns manche Stellen aus diesem Testament fremdartig an. Aber die Gewissenhaftigkeit, mit welcher der Vater an alle zukünftigen Schritte seiner Kinder denkt, machen auch auf denjenigen, der diesem Gefühls- und Gedankenleben nicht nahesteht, einen unauslöschlichen Eindruck. Wie bei so vielen Vätern der jüdischen Vergangenheit ist es der Hauptwunsch des Verfassers, daß seine Kinder und Enkel am „Lernen" festhalten, an dem Lernen in Gottes Namen, zumal in diesem Testament, welches für solche Kinder bestimmt ist, welche fast alle rabbinische Stellen im Leben bekleiden. Der Verfasser ist in Tschorna in Ungarn geboren als der Sohn eines thorakundigen Vaters. Er ist aus wohlhabendem Haufe und benutzt seinen Monatswechsel, den er vom Vater erhält, am wenigsten für seine Lebensbedürfniste, das meiste läßt er thorabeflissenen Jünglingen zukommen. Er ist zunächst Kaufmann und übernimmt erst später das Amt eines Rabbiners, zuerst in Homono, dann in Kleinwardein, schließlich in Chust, wo er der Nachfolger des Maharam Schick wird. Dort ist er nach langer Krankheit am 7. August 1911 gestorben. Der Titel des Testamentes heißt: „Hachana de Rabba". Die Uebersetzung würde lauten: „Die große Vorbereitung" oder „Die Vorbereitung auf den großen Tag". Der Titel bezieht sich auf die Diskussion im Talmud (Beza 2 b), ob man an Festtagen etwas für den Sabbat oder für einen anderen Festtag vorbereiten darf. Der Begriff der „Vorbereitung" ist besonders von dem