Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 94 (sequence 11)
- Language
- German
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94 — scheu Proletariats, die die Wanderbewegungen in Folge der Pogrome von den Ostländern nach Westeuropa führte, gaben Möglichkeiten der Volkspflegearbeit in weiterem Sinne als je bisher und entwickelte Formen einer jüdisch-modernen Wohlfahrtspflege, wie sie dem Verantwortungsgefühl gegenüber der stärker verbundenen Gemeinschaft entsprachen. Der Erfolg der organisierten Arbeit drängte angesichts der schwierigen Verhältnisse zu neuer Entwicklung, besonders auf sozialem Gebiet, und so gab die jüdische Frauenbewegung den Anlaß zur Begründung der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden", durch einen Aufruf der Vorsitzenden „Weh dem, dessen Gewissen schläft!" in der jüdischen Presse. Die Begründung dieser Stelle, an der die jüdische Frauenbewegung von Beginn an entscheidend mitgearbeitet hat, ist für die Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland in den Zeiten der Inflation mitentscheidend gewesen, und in ihr konnten die sozialpädagogischen Forderungen der jüdischen Frauenbewegung zum ersten Mal zur wirksamen Ausführung gelangen. Eine Klärung der sozialen Forderungen war in der jüdischen Frauenbewegung immer klarer herausgearbeitet worden. Und so erstarkt war die Bewegung auf diesem Gebiet, daß, als die Entwicklung der Zentralwohlfahrtsstelle in Verkennung der Erundforderungen ihres Programmes von den als richtig anerkannten Wegen abirrte, der Jüdische Frauenbund sich von ihr schied, auf diese Weise die verantwortlichen Kreise erweckte und die Arbeit vor dem Untergang bewahrte. Die neue Entwicklung hat der Jüdische Frauenbund in seiner auf der Delegiertenversammlung in Erfurt angenommenen Satzung zum Ausdruck gebracht: § 2 Der Verein will seinen Zweck erreichen: a) durch Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsbewußtfetn; b) durch Förderung der Zusammenarbeit der jüdischen Frauenvereine, durch Stärkung der Beziehungen zwischen den Organisationen der jüdischen und der