Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 93 (sequence 10)
- Language
- German
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— 93 — r r sichtigung von Konfession und Weltanschauung im Reichsjugendwohlfahrtsgesetz — Bedeutung der Frauenarbeit für die Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege (Elberfeld 1921). Die praktische Gestattung dieser Forderungen unternahm der Jüdische Frauenbund in der Schaffung einer Reihe von Einrichtungen, besonders aufdem Gebiet des Erziehungswesens (Erziehungsanstalten, Kindergärten und Horte, Erholungsheime und Mütterheime) und der offenen Fürsorge durch den Versuch neuer Methoden der Familienhilfe. Was die Bewegung in dieser Zeit der ersten Entwicklung leistete, war vor allem die Erweckung des Zugehörigkeitsbewußtseins zur jüdischen Gemeinschaft nach der Emanzipation der Juden und die Hinlenkung der Fraueninteressen auf die Aus-. Wirkungen der politischen und kulturellen Vorgänge in Deutschland auf jüdisches Kultur- und Volksleben. Der Gesichtskreis weitete sich für Fragen jüdischen Interesses und regte zur Anteilnahme an der Beeinflussung der Entwicklung an. Im ganzen blieb aber der Umkreis der Wirkung beschränkt aus die eigene Erlebnissphäre in der ungefährdeten geregelten Häuslichkeit der wirtschaftlich günstig gestellten Kreise einer liberalen Bürgerschicht. Die Bewegung -ging im Rahmen dieses Kreises in die Breite, und die Zahl der von ihr erfaßten Frauen war in ständigem Wachsen; die Jugenö- und die Verufskreise blieben fern, die Jugend schuf sich ihre eigene, ihr gemäße Bewegung innerhalb des Judentums und die Verufskreise schlossen sich den Fachbewegungen an. Der d r i t t e A b s ch n i t t in der jüdischen Frauenbewegung setzte mit dem Beginn des Weltkrieges ein und ist in seiner Entwicklung noch nicht abgeschloffen. Die Stärkung des Eemeinschaftsempfindens, die mit Kriegsbeginn in allen Ländern erfolgte, die antisemitischen Strömungen während der Kriegszeit und die große Judennot nach dem Kriegsende förderten das Bekenntnis der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft und gaben auch der Mischen Frauenbewegung neuen Inhalt. Die erste Berührung mit den Massen des jüdi-