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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 90

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
Date
1927-01-01
Page
90 (sequence 7)
Language
German
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- 90 — « Gemeinschaft immer häufiger erscheint und schutzloser ist als in irgend einem anderen Kreise, daß die Geschlechtskrankheiten in der jüdischen Bevölkerung sich in Folge des Lossagens von einer mäßigen Lebensweise immer mehr verbreiten und die jüdische Mutter nicht den Weg zur Aufklärung ihrer Kinder findet; daß die Häuslichkeiten verfallen und der Familie nicht mehr das Heim bedeuten, weil die jüdischen Mädchen das Erlernen wirtschaftlicher Kenntnisse meiden. Sie hatte erfahren -müssen, daß sie allein den Kampf um das Wohl det jüdischen Gemeinschaft nicht würde erfolgreich führen können und fand unter der Stimmung der internationalen Frauenzusammenkunft Anhänger und Mitkämpfer: Sidonie Werner, die Hamburger Volksschullehrerin, Henriette May, Martha Frankl, Paula Ollendorff, die aus der caritativen Arbeit kamen. Es schloffen sich zunächst 42 jüdische Frauenvereine zusammen, deren Zahl im ersten Jahr auf 72 anwuchs. Der Charakter der Bewegung war ein vornehmlich kultureller, das Ziel die Belebung des Jntereffes für jüdische Fragen durch gemeinsame Arbeit. In den Eründungsstatuten ist als Zweck des Bundes angegeben: 8 2 Zweck des Bundes ist der Zusammenschluß (deutschisraelitischer Frauenvereine, weiblicher Einzelpersonen und solcher Vereine, die die Jntereffen jüdischer Frauen und Kinder vertreten) zu gemeinsamer Arbeit, a) in gegenseitiger Anregung für die Jntereffen der Allgemeinheit. Als Arbeitsgebiete gelten zunächst die Wege und Ziele sozialer Hilfstätigkeit, der Volkserziehung, der Förderung des Erwerbslebens jüdischer Frauen und Mädchen, Hebung der Sittlichkeit, Bekämpfung des Mädchenhandels usw. b) ein Erwecken des Interesses an allgemeinen jüdischen Bestrebungen der Gegenwart und Stärkung des jüdischen Gemeinschaftslebens. 83 Der Bund verfolgt die Gesamtintereffen der jüdischen Frauenwelt. Er will Gelegenheit zum Gedankenaus-

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