Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 89 (sequence 6)
- Language
- German
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— 89 — » alle die losen unzusammenhängenden Kreise unter den jüdische« Frauen zusammenfaßte und ihnen eine eigene einheitliche Form gab. Der äußere Anlaß war der große Internationale Frauenkongreß in Berlin im . Jahre 1904. Es war kein Zufall, daß gerade eine internationale Zusammenkunft mit dem Hervortreten der Eigenart der Rassen und Völker und der besonderen Achtung, die auf solchen Zusammenkünften der Eigenart ' gezeigt zu werden pflegen, den Anstoß zu einer Entwicklung der jüdischen Frauenbewegung in mehreren Län-. dern gab. Die Berichte der Vertreterinnen der einzelnen Nationen über die eigenen Nöte und die im Leben des einzelnen Volkes gefundenen Wege zu ihrer Bekämpfung ließen die Frage entstehen, wie weit die oft unbewußt empfundenen Gefahren und Hemmungen im Leben der jüdischen Frauen unter der neuen Entwicklung durch die Auslösung eigener Kräfte klarer erkannt und bekämpft und wie weit die Kräfte durch einen Zusammenschluß innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gestärkt werden könnten. Die führenden Persönlichkeiten sahen hier die Wege zu eigenem Schaffen gewiesen und schlossen sich am 15. Juni 1904 in Deutschland zur Begründung eines Deutsch-israelitischen Frauenbundes, dessen Name kurz darauf in „Jüdischer Frauenbund" umgewandelt wurde, zusammen. Die Schöpferin und zur Führerin gewählte Vorsitzende des JFB war Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M., die in enger Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft als erste unter den jüdischen Männern und Frauen die Gefahren erkannt hatte, die sich im jüdischen Leben zeigten, und in unausgesetzter mühseliger Arbeit versucht hatte, die Ursachen und Zusammenhänge dieser Gefahren aufzudecken und Abhilfe zu finden. Auf dem Gebiet der Erziehung und der Häuslichkeit, der Gesundheit und der Sittlichkeit hatte die Führerin die Gefahren für die jüdische Gemeinschaft beobachtet und zum Kampfe aufgerufen. Sie sprach es aus, daß das uneheliche jüdische Kind vorhanden und schlechter versorgt ist, als in irgend einer anderen Gesellschaft, daß die ledige Mutter auch in der jüdischen