Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 88 (sequence 5)
- Language
- German
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t «- - 88 — . - sierung mit sich brachte, Die schaffende Arbeit'von Henriette Eoldschmidt (Leipzig) an der Verbreitung der Fröbelschen Erziehungsreformen, die organisatorischen Leistungen von Lina Morgenstern und von Jeannette Schwerin auf dem Gebiet des Armenwesens, die Pioniertätigkeit von Josephine Levy-Rathenau bei der Entstehung des Frauenberufswesens und die neu gestaltende Kraft einer Alice Salomon bei der Wegbereitung für soziale Arbeit haben zu der Entwicklung der allgemeinen Frauenbewegung beigetragen. Die Ursachen der jüdisch-passiven Entwicklung der Frauenbewegung im ersten Stadium sind wirtschaftlicher und kultureller Art. Die jüdische Frau blieb noch lange Zeit dem Berufsleben fern, als die Jndustriealisierung schon die Arbeiterfrauen und eine große Zahl der Mädchen der bürgerlichen Kreise in die Berufstätigkeit Hereingetrieben hatte. Es lag dies zum Teil an der günstigen wirtschaftlichen Lage der Juden in Deutschland, die einen Miterwerb der Frauen nicht notwendig machte, der den jüdischen Männern die sozialen Stellung halber vielfach nicht erwünscht schien; z. T. lag es daran, daß eine Zulassung der jüdischen Frauen zu den Frauenberufen aus gesellschaftlichem Antisemitismus heraus nicht möglich war. So blieb die jüdische Frau bei der Bildung der ersten großen weiblichen Berufsorganisationen (Lehrerinnen. Krankenschwestern, Post- und Telegraphenbeamtinnen, Arbeiterinnen) im ganzen abseits, weil wenige Angehörige dieser Berufe in jüdischen Kreisen zu finden waren; aus demselben Grunde blieb eine Befruchtung der jüdischen Frauenkreise durch die berufstätige jüdische Frau aus. Auch die kulturelle Bewegung der Assimilation, die das Ideal der Angleichung und Anpassung entwickelt hatte, trug dazu bei, daß die Frauenbewegung von den jüdischen Frauen als allgemeine Bewegung gefördert wurde, eine eigene jüdische Frauenbewegung sich zunächst aber nicht entwickeln konnte. Erst um die Wende des 20. Jahrhunderts trat eine eigene jüdische Frauenbewegung in die Erscheinung, die