Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Über die Juden und das Theater
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 79 (sequence 17)
- Language
- German
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Mechanismus bedrohte Anstatt: Theater immer wieder Zu durchseelen und zu verlebendigen unternimmt. Wir haben vom deutschen Theater gesprochen. Inzwischen ist aus dem Schoß des jüdischen Kulturbereiches selbst Theater geschaffen worden. Und dies Theater ist eine erschütternde und fast einzige Form von Theater innerhalb der europäischen Welt. Ein Theater in jiddischer Sprache gibt es etwa seit dem Jahre 1875. Es hatte offenbar eine sehr gesunde, wenn auch noch so bescheidene Basis. Der Jude spielte für den Juden das, was ihm am nächsten lag, das eigene alltägliche Leben. Der Sinn für den Humor des Lebens war immer da im Ghetto des Ostens. Der „Vattlen", der Spaßmacher, der Narr von Beruf ist eine altüberkommene Gestalt. Man begann mit der dramatisierten Karrikatur, mit der Farce und zog mit der wachsenden jiddischen Literatur die ganze Breite des Lebens aufs Theater. Die innere Gleichartigkeit der Masse, wie die jüdische Stadt des Ostens sie bietet, ist, wenn nicht geradezu Bedingung, jedenfalls eine Unschätzbare Chance für die Kunst, die für die Maste schafft, gegenüber dem immer mehr heterogenen und auseinanderfallenden Publikum der abendländischen Schauspielhäuser. Ostjüdisches Theater ist in den letzten Jahren zweimal nach Deutschland gekommen. Vor einigen Jahren ein jiddisches Künstlertheater, im letztvergangenen Jahr das „Moskauer jüdische Theater", das sich „Habima", „Kanzel" nennt und auf dem hebräisch geprochen wird. Jedes dieser beiden Theater hat seinen eigenen, vom anderen grundsätzlich verschiedenen Stil. Das jiddische Theater schloß sich an das Werk des großen, russischen Theatermannes Stanislawsky an; die „Habima" an neuere Formen des russischen Theaters. Was aber beiden gemeinsam war und im ganzen Umkreis des europäischen Theaters seines gleichen suchte, war das religiöse Element, das diese ganze unverschönte Welt durchströmte, durchleuchtete, durchklang. Gott lag in der Luft. Diese Religiosität, dieses Gebundensein des ganzen Lebens an einen höheren Sinn war aber nicht