Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Über die Juden und das Theater
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 78 (sequence 16)
- Language
- German
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78 — Typus, schließt nicht aus, daß ihn auch das Unsagbare umwittert. Zweifellos vermag dies Allerhöchste anVewußtsein da Hindernis zu sein, wo nur die an sich selbst verlorene Dumpfheit durchschlägt, aber es wird Stärke, wenn es nicht mehr dazu dient, eine Rolle zu packen, sondern selbst Kern einer Rolle wird, wenn dies geistige zuallem - in - Bereitschaft - sein Inbegriff der Darstellung selbst wird. Ich denke an das Genie Pallenbergs. Man hat im Ohr, wie er kräht, eifert, bohrt. Was tut er? Er zerstört das Wort, indem er es spricht, er verunstaltet es, zerknittert es, er laugt es aus, er macht ein Nichts daraus, ein armseliges, exzentrisches Etwas — und so verfährt er mit der Situation, die ihm gefährlich ist. er dreht sie um, zerstört sie, hebt sie auf — vom Geist aus. Und über allem schwebt eine gesammelte Nachdenklichkeit, eine Hinterhältigkeit des Gedankens, wie ste im Gesicht der Affen uns ergreift. Sind nicht seine geladensten Momente die, in denen es in feinem Kopf zu brauen scheint, eh er zum Schlag ausholt, der Witz ist und den Gegner zermürbt? Und lassen Sie mich Ihnen als Schlußvignette dieses Kapitels den Theaterdirektor hinzeichnen, den er in Pirandellos: „Sechs Personen suchen einenAutor" spielte. Inmitten desJrrstnns und des. Tohuwabohu einer Theaterprobe, wie ste jeden Tag ist, und in der sich drei, vier Welten schneiden, steht ein kleiner Mann, schofel und komisch, aber inmitten dieser grausigen Geschäfts- und Mimenmischwelt: ein Mensch; voll von zartem Sinn für den Menschen; verschämt; hellhörig, wo die andern taub sind; unbeholfen; aber hinten herum, über alles weg, wenn es darauf ankommt, Herr im Haus durch sein Wissen um das Leben. Nichts als ein kleiner, jüdischer Theaterdirektor, der aber inmitten dieser bis zum Erbrechen verbrauchten Kulissenluft das winzige Fünkchen Leben, Seele, Natur hütet, um das sich alles andre allenfalls lohnt, und der mit bescheidenem, inständigen Eigensinn dieses kleine, alleinige Beste durchsetzt. Wunderlich liebenswertes Porträt des Geistes, der diese von allen Mächten des