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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Über die Juden und das Theater
Date
1927-01-01
Page
71 (sequence 9)
Language
German
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- 71 - zuwege brachte, ein Volk zu sein. Dieser Blick war seine Produktivität und seine Sendung. Wir wollen nur die entscheidenden Mottrente der Entwicklung festhalten. Wir scheuen uns vor keinem Sprung über die Zeit. Die Kritik des „jungen Deutschland" hat Börnes Erbe angetreten, und es spinnen sich kaum merkbare, dennoch kontinuierliche Fäden bis zu der für die Geschichte des deutschen Theaters entscheidenden Stunde hin. in der seine Grundschwäche. die Beziehungslosigkeit zum Leben, zum ersten Mal in einem europäischen Sinn schöpferisch überwunden wird. Ich rede von der Bühne Otto Brahms. Auch diesmal ist es der Kritiker, diesmal aber Herr im Hause selbst, der dem Deutschen der neunziger Jahre sein Theater und ein kulturell wichtiges Theater überhaupt schafft; ein Thetaer, wie es noch nicht in Deutschland war, insofern es ganz kühn den geistigen Gehalt der Zeit selbst zu geben wagte. Man mag über diesen Gehalt heute denken wie man will: aber er war der lebendige, legitime der Zeit, die ihr ehrlich erreichbare, ehrlich von ihr gesehene, gelebte, erlittene Wirklichkeit. Dies Theater war ebenso ein Schlag ins Gesicht der geltenden ästhetischen Begriffe, als es einem neuen Lebendigen den Durchbruch errang. Und es macht diesen Augenblick des deutschen Theaters zum klassischen, daß es vom selben Leben besessene dichterische Kraft einzusetzen hatte; wodurch denn dies Theater erst wirklich der geometrische Ort der Zeit-Seele wurde. Dies Theater wurzelte im Erlebnis des Sozialen. Das Soziale, künstlerisch gedeutet, ist die lleberwindung der Phantasielosigkeit. der Verbürgerung des Herzens; das Soziale, künstlerisch gedeutet, zwingt da zu sehen und zu erleben, wo man nie hinzufehen gewagt und nie erlebt hat. Es sieht den Andern, es sieht den Armen. Dies neue deutsche Theater, vom Dichter bis zum Schauspieler, ist das Theater des Lebens, das man übersehen hatte. Das Theater des Unscheinbaren, des Kleinen, des Innern, des Lebens, das sich in den seltenen katastrophalen Momenten als das Unentrinnbare erweist, das

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