Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Über die Juden und das Theater
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 67 (sequence 5)
- Language
- German
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- 67 — und so ist es mehr als Zufall, wenn der sich Bildende früher oder später Mitwisser, Miteingeweihter. Mitschöpfer dieses entstehenden, ratlosen, noch aus lange hin bildsamen Wesens wird, und wenn beiden ein Etwas aus ihrem gemeinsamen Ursprung um die Stunde eines neuen Menschensinnes unverlierbar geblieben ist. Es scheint in der Tat, daß der Jude am heutigen deutschsprachigen Theater zunächst der Zahl nach verhältnismäßig stark vertreten ist. Ueber die Ursachen, warum der Jude in freien Berufen und Unternehmungen besonders zahlreich auftritt, ist kein Wort zu verlieren. Eben diese Ursachen walten auch hier. Ueberdies darf man sich nicht dadurch blenden lassen, daß man von hauptstädtischen Begriffen ausgeht. Und vor allem must man wissen, daß bis 1918 — wenige Ausnahmen abgerechnet — die Hof- und Stadttheater, die einen wichtigen Teil des deutschen Theaters ausmachten. den Juden von den entscheidenden Stellen ausschlossen. Aber man spricht von einer „Verjudung" des deutschen Theaters. Und wenn man diese Vokabel einmal ihrer armseligen und traditionellen Bösartigkeit entkleidet, so kann man in der Tat von einer merkwürdig innigen und fruchtbaren Verschmelzung des jüdischen Menschen mit dem neuentstandenen Organ des deutschen Geistes sprechen. Denn es entscheidet, daß in den wichtigsten Schicksalsmomenten des deutschen Theaters Juden mit am Steuer waren und Epoche machten. Auch faßt man mit den Impulsen, die der Jude als Theaterdirektor, als Regisseur, als Schauspieler dem Theater gegeben hat, nicht erschöpfend die Kräfte, die von ihm dem deutschen Theater zugekommen sind. Gerade das deutsche Theater lebt von Anfang an von der Leidenschaft derer, die es kritisch begleiten und seinen Lebensstoff diskutieren. Und auch aus diesem produktiven Widerspiel der deutschen Bühne ist der Jude nicht wegzudenken. Um die erstaunliche Durchdringung des deutschen Theaters mit jüdischer Geistigkeit zu verstehen, erinnere man sich nochmals seiner spezifischen Geschichte. Das Theater der Deutschen gehört mit zu ihren Bedenklich-