Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Über die Juden und das Theater
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 66 (sequence 4)
- Language
- German
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— 66 — jüdische Schauspieldichtung der neuen Zeit sich um die Heldin dieses Festes, um Esther, dreht. And Beweis naiven, volkhaften, lebendigen Anlasses ist, daß die ersten überlieferten Schauspiele dieser Art nicht hebräische Kunstpoesie waren, sondern sich an die Landessprachen, sei es Deutsch, fei es Italienisch, anschlossen. Wir sind im 17. Jahrhundert. Es blieb nicht bei der Figur der Purimheldin; auch die andern geliebten Figuren des jüdischen Volkes wurden zu Helden von Schauspielen gemacht. Trotzdem mag es sich vielfach nur um Literatur in dramatischer Form handeln. Von einem eigentlichen jüdischen Theater wissen wir erst aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Seine Sprache war die jüdisch-deutsche Mundart. Es spielte zu Frankfurt am Main. Weil es der erste Name ist, der sich aus dem Dunkel abzeichnet, halten wir ihn fest: der Direktor und Regisseur dieses Theaters hieß Baermann Limburg; eines der Stücke, das er spielte, erschien im Druck, es war ein „Joseph". Wir überlassen alle diese Details dem Sammler. Uns bleibt nur, den erwachten, aber noch sehr geringen Anteil der deutschen Juden an dem ihm von Haus aus fremden Ausdrucksmittel: Theater festzustellen, llebrigens verliert ein jüdisch-deutsches Sondertheater mit der wachsenden Teilnahme des Juden am deutschen Kulturbereich und seiner schließlichen bürgerlichen Emanzipation seine Bedeutung. Anders lag es natürlich im Osten, wo der Jude über hundert Jahre länger Volk für sich blieb. Davon bleibt noch zu reden. Wichtig ist für uns, um das Verhältnis der deutschen Juden zum Theater zu verstehen, daß der deutsche Jude, als fein Sinn für die Kunst des Theaters wach wurde, keineswegs ein gültiges, von der Nation als vollwertig empfundenes Theater antraf, wie es eines in Frankreich, in England gab. Dem deutschen Juden widerfuhr es. daß er mit seinem eigenen Erwachen im deutschen Leben das Erwachen der deutschen Bühne und des deutschen Dramas erlebte. Ja, es besteht ein wirklicher Zusammenhang zwischen beiden, sozusagen von Geburt aus: beide löst die Luft der deutschen Humanität;