Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Wie unsere Familiennamen entstanden sind
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 58 (sequence 25)
- Language
- German
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- 58 — jüdischer Familienname in Italien geworden. Wie' wir in Prag dem Familiennamen Nantua (Stadt in Frankreich) und in Wien dem Familiennamen Mondolfo (Ort in Italien) begegnen, so finden sich in Italien jüdische Familien aus Deutschland, wie: Luzzatto (Lausitz), Morpurgo (Marburg), Norlenghi (Nördlingen), Ottolenghi (Ettlingen) und Stella (Stern, Familienname in Deutschland). Zur Zeit der Kreuzzüge und später nach jeder Judenverfolgung wanderten deutsche Juden in großer Zahl nach dem Osten Europas aus, und mit ihnen zog auch ein Stück heimatlicher Erde und Art in die Fremde. Die berühmtesten jüdischen Familien im Osten Europas heißen: Epstein, Friedland, Günzburg, Halpern (Heilbronn), Horowitz (in Böhmen), Landau, Minz (Mainz), Oettinger und Spiro (Speyer). Der sagenhafte Eintagskönig von Polen, Saul Wahl Katzenellenbogen, stammte aus Katzenellenbogen in der Lahngegend und kam über Italien nach dem Osten, wo er seinem deutschen Namen den Beinamen Wahl (Welsch) hinzufügte. In Italien lebte eine Familie Cracovia (Krakau); in Polen dagegen finden sich die Nachkommen jüdischer Familien aus Spanien, wie Abravanel und Lanajado, und Träger von Familiennamen, wie Galante, Loria (Ort in Italien) und Saraval, die auf Italien Hinweisen^). Die Länder im Osten Europas boten im Mittelalter den Juden Zuflucht. Die Judenverfolgung setzte dort erst im Jahre 1648 ein und erstarkte besonders im 19. Jahrhundert. Die Verfolgten flüchteten nach England und den Vereinigten Staaten Amerikas, aber auch nach Deutschland. Davon zeugen die Familiennamen: Apt (aus Opatow). Kalischer und Kaliski, Krakauer, Kutner und Kutnewski (aus Kutno), Lubliner und Lublinski, Makower. Tiktin (aus Tykocin). Warschauer und Warschawski und Willner (aus Wilna). So erzählen die Familiennamen von den Verfolgungen und Wanderungen, die mit unsagbarem Elend verbunden waren, aber auch ihr Gutes hatten. Wohin