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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 59

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Wie unsere Familiennamen entstanden sind
Date
1927-01-01
Page
59 (sequence 26)
Language
German
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— 59 — die Geflüchteten kamen, überall wirkten sie anregend und erneuernd auf das geistige und religiöse Leben in den jüdischen Gemeinden und stärkten auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit im Herzen derer, die sie brüderlich aufnahmen. Der fortdauernde Zuzug neuer Menschen und der damit verbundene Austausch religiöser Sitten und Ideen hat das Judentum vor Abschlietzung und Erstarrung und vor dem Untergang bewahrt. Die Familiennamen künden vom Werden und Vergehen der Familien, aber auch davon, wie der Geistes¬ und Hevzensadel in vielen Familien oft Jahrhunderte hindurch sich erhalten hat. Die Geschichte der Familiennamen ist ein Teil der Familienforschung, deren Pflege in der Gegenwart unsere Pflicht ist. lieber dem Tempel zu Delphi stand die Inschrift: Erkenne dich selbst! Wer sein seelisches. Werden und Wesen erkennen will, mutz seine Ahnen kennen. Jeder von uns ist ein Ring in der großen Kette der Geschlechter, und jeder wird von der Vorsehung gerufen, das seelische und geistige Erbe, das er von den Ahnen überkommen hat, seinen Kindern in veredelter und geläuterter Form zu übertragen. Allein nicht nur wir selber, sondern auch unsere Kinder sollen wissen, von welchen Ahnen sie kommen. Das wird ihren Charakter stählen und stärken und in ihrem Herzen Ahnenstolz und Selbstachtung wacherhalten. Wir rufen nach einer Erneuerung des Judentums. Wie die Gesundung und Erneuerung des Körpers von den Zellen ausgeht, so kann die Erneuerung der jüdischen Gemeinschaft von den Familien ausgehen. Jüdische Väter und Mütter sollen ihren Kindern erzählen, von welchen Ahnen sie kommen. Ihren Kindern geben sie damit eine seelische Heimat und einen sittlichen Halt; dem Judentum aber bringen sie Leben und Zukunft, sie bewirken seine Erneuerung und Erhaltung.

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