Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Wie unsere Familiennamen entstanden sind
Date
1927-01-01
Page
56 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111122-3118456--7045-3118545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 56 — > « legung ihrer Familiennamen forderte, fortan 'Heinemann Salomon Hahlo und Samuel S. Ellon heißen werden. Aber trotz der vielen Ausnahmen ist die Festsetzung der jüdischen Familiennamen nach bestimmten Gesetzen erfolgt. 6. Die jüdischen Familiennamen haben ihre Geschichte und sind selber ein lehrreiches Kapitel der Kulturgeschichte. Im Anfang entrechtet, führten die deutschen Juden keine Familiennamen, sondern nur den Beinamen „Jude" °°); erst das Zeitalter der Emanzipation hat sie auch in diesem Punkte den christlichen Bürgern gleichgestellt. Das Werden der jüdischen Familiennamen zeigt, wie die Juden in Sprache und Sitte und auch in ihren Familiennamen in die Kultur ihrer Heimat hineinwuchsen. Bei den Juden in Westeuropa finden sich außer den Familiennamen, die aus den hebräischen Vornamen gebildet worden sind, nur wenige hebräische Familiennamen. Anders bei den Juden in Osteuropa. Dort gibt es neben deutschen und slawischen auch viele hebräische Familiennamen; sie sind Zeugnis dafür, daß die hebräische Sprache dort unter den Juden lebendig geblieben ist. Die jüdischen Märtyrer, die für ihren Glauben starben, hießen Kedoschim, Heilige. Bei der Nennung ihres Namens wurde die Formel hinzugefügt: Haschem jinkom damo (Gott möge sein Blut rächen). Die Abbreviatur dieser Formel (Heid) wurde zum Familiennamen (Heide)57). Die Familiennamen Heide, Sak (Sera Kodesch), Bak (Bene Kedoschim) und vielleicht auch Schak (Scheerit Kedoschim) erzählen von dem Glaubensmartyrium unserer Ahnen und die Familiennamen Eilend (fern vom Heimatlande) und Easter (Fremder) vom Elend der Heimatlosigkeit, von dem unsere Ahnen oft betroffen wurden. Die Heimat bedeutete dem Herzen unserer Ahnen viel, sie ward ein Teil ihres Lebens und Wesens. Das beweisen die vielen Familiennamen, die aus Orts- und Ländernamen entstanden und die mit unseren Ahnen auch in die Fremde gewandert sind. So begegnen wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.