Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Wie unsere Familiennamen entstanden sind
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 35 (sequence 2)
- Language
- German
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— 35 — Weil, wie ein Forscher bemerkt, „gerechte Zweifel sich erheben können, ob solche Familien häufig in den Fall gekommen sind, die durch, derlei Namen be,zeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen"la). Für einzelne Familiennamen sind verschiedene Erklärungen möglich, die Entscheidung ist oft schwierig. So kann der Familienname Spanier, der in Frankfurt a. M. zuerst auftaucht, auf das Heimatland der Familie zurückgehen; feine erstenTräger können aber auch, wie einelleberlieferung berichtet, diesen Namen erhalten haben, weil sie an einer Deputation teilgenommen haben,dievon denJuden in Frankfurt an Karl V. zur Wahrung ihrer Rechte entsandt wurde *). Den Namen Türk3) kann einer erhalten haben, der aus der Türkei stammte oder mit diesem Lande irgendwie in Verbindung stand oder in einem Hause „zum Türken" geboren wurde; dieser Name kann aber auch als Spottname, wie etwa Kosack, in das amtliche Register ausgenommen worden sein. Viele Familiennamen sind Phantasienamen und willkürlich gebildet; viele aus Abbreviaturen entstanden, deren Auflösung zweifelhaft ist. Noch fehlt ein lückenloses Verzeichnis aller Familiennamen; die amtlichen Register, die uns Aufklärung bieten könnten, sind noch nicht erschlossen. Trotz dem soll hier in einer kurzen Skizze der historische Werdegang unserer Familiennamen geschildert werden. Die Geschichte unserer Familiennamen wird uns lehren, daß die Namen nicht „Schall und Rauch", sondern ein Stück Kulturgeschichte sind. Aus allem, was der Mensch mit seinem Geiste geschaffen hat. vermag der Menschengeist Belehrung zu schöpfen. 2. Das Königsgeschlecht in Israel hietz das „Haus David", und das Priestergeschlecht das „Haus Aron". Zur Zeit des zweiten Tempels trug eins Priesterfamilie nach ihrem Vater den Namen „Haus des Euthinos". In der Mischna wird eine Priesterfamilie „Bet Earmo", und im Talmud werden zwei bedeutende Familien „Bet Kufae" und „Bet Zebaim" (wohl nach ihrem Heimatsortef genannt. Häufiger als Familiennamen waren in Mer Zeit die Beinamen. 3*