Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Achad Haam
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 25 — sondern auch den sittlichen Regenerator, der aus Sklaven ein sittlich und seelisch freies Volk geschaffen Kat. Mose hat Israel aus Aegypten zum Sinai geführt, wo es die göttliche Lehre empfing und sich deren würdig zu machen hatte. Achad Haam hatte später die schöpferische, geschichtliche Tat Moses in einem besonderen Aufsatz verherrlicht. Und er, der immer in feiner Darstellung kühl bleibt, zeigt in diesem Aufsatz einen fast dichterischen Schwung. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einiges erwähnen, das auf seine Denkart ein helles Licht wirft. Um die Wende des Jahrhunderts sah er bei mir größere Teile meines hebräischen Buches „Literarisch-historische Einleitung in das heilige Schrifttum", das noch ungedruckt war. Er erbat sich einige Kapitel daraus für seine Zeitschrift, jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, die den Pentateuch betreffenden Abschnitte von der Veröffentlichung in seiner Monatsschrift auszuschließen. Ich übergab ihm die Kapitel, die sich mit den historischen Schriften der Bibel beschäftigten, die er auch alle veröffentlichte. An einer Stelle in einer Fußnote kam ich auf das Deuteronomium zurück, was ich bei der Uebergabe des Manuskriptes übersehen hatte. Während des Druckes schrieb mir Achad Haam und bat mich dringend, ich möchte jene Fußnote streichen lassen. Ich schrieb diese Aengstlichkeit in der Behandlung des Pentateuchtextes der Rücksicht auf seine Leser zu, was ich ihm aber durchaus nicht verübelte. Im Spätsommer des Jahres 1920, als er zum letzten Male in Berlin war, wo er vergeblich Heilung von seinem schweren Leiden suchte, besuchte ich ihn einige Male im Sanatorium. Er fragte mich teilnahmsvoll nach meiner Beschäftigung. Als ich ihm sagte, daß mein bibelkritisches Werk seiner Vollendung entgegengehe und hoffentlich auch bald werde erscheinen können, meinte er im vollen Ernst, ich sollte die Autorität des Pentateuchs nicht zerstören. Er hat das Erscheinen des Buches erlebt und trotz seiner konservativen Anschauung mir die freie wissenschaftliche Forschung nicht verargt. Unser Briefwechsel hielt auch später an, wenn auch die Zwischen-