Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Achad Haam
Date
1927-01-01
Page
24 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111122-3118455--7012-3118513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 24 — mung. Gerade diejenigen, die den Plan am eifrigsten propagiert und an dessen Verwirklichung große Hoffnungen geknüpft hatten, zogen sich enttäuscht zurück. Es herrschte um das Jahr 1889, als Achad Haam zuerst publizistisch auftrat, eine Leere und eine weitgehende Hoffnungslosigkeit. Als Achad Haam damals zum ersten Male Palästina besuchte, gewann er dort die Ueberzeugung. daß der eingeschlagene Weg nicht zum Ziele führen könne. In seinem ersten publizistischen Aufsatz, der sich mit den Zuständen in Palästina im einzelnen garnicht befaßt, trat er mit der These auf, daß die Kolonisation Palästinas nicht bloß aus der Liebe zum Lande unternommen werden sollte, sondern in der Hauptsache erziehlich für das ganze jüdische Volk zu wirken hätte. Man darf die Bedeutung dieses Aufsatzes, der damals in der windstillen Zeit ein gewisses Aufsehen hervorgerufen hat, inhaltlich nicht überschätzen. Achad Haam war in der Literatur ein Neuling und besaß noch keineswegs die literarische Routine, seine Gedanken in wirkungsvoller Form zum Ausdruck zu bringen. Da er nicht mit seinem bürgerlichen Namen auftrat, sondern seinen Aufsatz mit dem von ihm damals geschaffenen Pseudonym Achad Haam zeichnete, so wußte man in weiten Kreisen garnicht, von wem die Kritik ausging, Ich möchte noch als Kuriosum erwähnen, daß man in der ersten Zeit vielfach den vor wenigen Jahren verstorbenen Rabbiner Jakob M a s e für den Verfasser des besprochenen Aufsatzes hielt. Achad Haam. der immer den geistigen und sittlichen Aufbau des jüdischen Volkes als die wichtigste Aufgabe unserer Zeit betrachtete und ihn höher einschätzte, als alle politischen Erfolge, hatte wohl bereits, als er mit seinem ersten Aufsatz auftrat, ein klares Ziel vor Augen. Weniger klar war sein Blick in die zur Verfügung stehenden Mittel, die er mit optimistischem Idealismus stark überschätzte. So gründete er um jene Zeit den seither vielbesprochenen Orden „Bne Mosche", der „Mosejünger". In Mose sah er stets nicht nur den Befreier des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Knechtschaft,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.