Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Achad Haam
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 23 — Familien, die bereits in Palästina waren und kaum noch zurückkonnten. In dieser Lage blieb nichts übrig, als eine Spendensammlung für die in Palästina angesiedelten Kolonisten zu veranstalten. Daß auch dies ein klägliches Ende genommen hätte, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Da trat Baron Edmond Rothschild in Paris auf den Plan. Ich schreibe hier nicht die Geschichte der jüdischen Kolonisation Palästinas, die ich von ihren ersten Anfängen kannte, da ich in jenen Jahren in der Redaktion des hebräischen Wochenblattes „Hamaggid" tätig war. So viel aber mag hier gesagt werden, daß alles, was im jüdischen Palästina bisher geschah und weiter geschieht, auf die hochherzige Tat des genannten, großen jüdischen Philanthropen zurückzuführen ist. Er hat diesem Werk, das jedermann, unabhängig von seiner politischen und religiösen Einstellung, als eins der großartigsten Unternehmungen dieser Art bezeichnen muß, nicht nur viele, viele Millionen gewidmet, sondern auch seine ganze Kraft, seine Persönlichkeit. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß diesem edlen Philanthropen vergönnt ist, im hohen Ereisenalter auf seine unsterbliche Schöpfurrg zurückblicken zu können. Baron Edmond Rothschild hat nicht bloß die bereits gegründete Kolonie übernommen und sie durch weiteren Landankauf besser ausgestaltet, sondern auch eine ganze Anzahl neuer Kolonien geschaffen und mit jüdischen Kolonisten aus Rußland und Rumänien besiedelt. Indessen konnte es nicht fehlen, daß in der ersten Zeit in der Verwaltung der Kolonien Mißgriffe vorkamen. Es lag dies zum Teil an dem Verwaltungspersonal, zum großen Teil aber auch an den Kolonisten selbst, die nicht immer die große Verantwortung kannten, die sie mit ihrer Ansiedlung in den jüdischen Dörfern übernommen hatten. Es kam Zu Streitigkeiten und häßlichen Auftritten, die in der jüdischen Presse eifrig besprochen und zum Teil in ihrer Bedeutung übertrieben wurden. Es herrschte gerade in den Kreisen, die sich für die Kolonisation Palästinas eingesetzt hatten, eine gedrückte Stim-