Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5687
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111122-3118454--6997-3118499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 10 man sich für diese nicht versprechen, gerade die Sicherung der Minderheitsrechte ist der wundeste Punkt, in der bis? herigen Arbeit des Völkerbunds, da immer nur dm wegen ihrer Verletzung angeschuldigte Regierung uich. nicht die beschwerdeführende Minderheit vom Rate gehört wird Und bisher kein Fall bekannt wurde, in dem diese Regierungen sich nicht als völlig unschuldig hinzustellen versuchten. Eine von jüdischer Seite gelegentlich der Neuordnung der Wahl nichtständiger Mitglieder in den Völkerbundsrat ausgegangene Anregung, Staaten als nicht wählbar zu bezeichnen, solange ste der Verletzung der ihnen durch die Friedensverträge auferlegten Verpflichtungen gegen die Minderheiten beschuldigt würden, wurde nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Ebensowenig wagten die Völkerbundstigen, die auf de? Berliner Maitagung durch die Vertreter Palästinas aufgeworfene Frage 8er Behandlung der Juden in Rumänien zu einem Abschluß zu bringen. ]- Auch die Türken zeigen neuerdings den Ehrgeizsich in Judenverfolgungen zu versuchen. Obwohl die Juden der Türkei auf das ihnen durch den Friedens- Vertrag eingeräumte Recht einer Minorität feierlichst verzichtet haben, werden sie gegenwärtig in einer maßlosen Agitation als Fremde angegriffen, wird zu ihrer Ermordung und Vertreibung aufgerufen. Der Lärm geht so weit, daß die große englische Presse sich bereits der Angelegenheit bemächtigt und die Türken davor warnt, durch Gewaltmaßregeln gegen die Juden ihren gesamten Handel und Wohlstand zu vernichten. Sowjetrußland scheint allmählich einen modus videndi mit der Kirchezu finden, und diese Entspannung dürfte dann auch den jüdischen Gemeinden zugute kommen. Nur für Zionisten gibt es keinen Pardon. Darin stimmt der russische Kommunismus mit den nationaldeutschen Juden überein. Die wichtigste Erscheinung in Sowjetrußland bleibt die Verufsumschichtung und die Landansiedlung der Juden. Das Land muß zwar bezahltwerden, aber es besteht wenigstens die Möglichkeit,, es zu erwerben und mit Juden zu . besiedeln. Wahr?