Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5687
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 11 (sequence 11)
- Language
- German
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— 11 — scheinlich bereitet sich hier eine der bedeutsamsten Bewegungen in der Geschichte der jüdischen Diaspora vor; dank der Hilfe des Agro-JoiNt geht die Ansiedlung erstaunlich schnell vor sich. Die bisher städtische Handelsbevölkerung lebt sich rasch in die Landwirtschaft ein und macht in kurzer Zeit Fortschritte. Die jüdischen Farmen gelten als Musterwirtschaften, die Ansiedler fühlen sich »seelisch gehoben, werden auch, da sie autonome Sowjets bilden, ihre religiösen Angelegenheiten selbst verwaltet können. Ihre christlichen Nachbarn unterhalten gute Beziehungen zu ihnen, sie empfinden dankbar den Nutzen, den die aus Amerika eingeführten modernen Maschinen der gesamten Landwirtschaft bringen. Neuerdings hat die Gesellschaft Ort ebenfalls die Erlaubnis erhalten, Juden in Sowjetrußland mit Handwerkzeug zu versehen, der Hilfsverein der Deutschen Juden will sich für die Hebung des Gesundheits- und Bildungswesens in den neuen Kolonien interessieren. Auch in Palästina ist trotz der viel erörterten Krise mancher Fortschritt zu verzeichnen. Zunächst im Gebiete der Verwaltung. Im Berichtsjahre sind zum ersten Mal Arbeiterschutzgesetze für Palästina verkündet worden. Für die jüdische Entwicklung ist der Erlaß der neuen Eemeindeordnung von Bedeutung. Sie steht die jüdische Einheitsgemeinde vor, gibt aber Sondergruppen das Recht, religiöse Bedürfnisse nach ihren Grundsätzen selbst zu befriedigen und hierfür einen prozentualen Anteil an den Steuern zu fordern — die Agudas Jisroek hat bereits ihren Anspruch angemeldet. Alle Gemeinden des Landes sind zu einer Gesamtgemeinde zusammengefaßt, die öffentlich-rechtlichen Charakter trägt und über das Steuerrecht verfügt. Abgesehen von der rabbinischen Gerichtsbarkeit haben die Gemeinden im großen und ganzen dieselben Funktionen wie in der Diaspora. Die Wahlen zu den Stadträten haben unter starker Beteiligung stattgefunden: bei dieser Gelegenheit wurde ein Einvernehmen zwischen den Juden und den gemäßigten Arabern erzielt, das zu einem glänzenden Siege über die intransigenten Araber führte. Zu einer weiteren