Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5687
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 /: r Am drücketzMttzn ist die Lage' der Juden in Ru- Mänien. Die Regierung leugnet zwar wie seit Jahrzehnten antisemitische Tendenzen ab, und die Welt wird Plötzlich durch scheinbar günstige Nachrichten, wie z. B. Tin Vermächtnis des jungst verstorbenen Königs für jüdische Institute, überrascht. Richtiger wird die Lage durch eine Aeußerung eines früheren Ministers gekenrü zeichnet, der die Beziehungen zu den Juden „heillos vergiftet" nennt. Bei aller Schwierigkeit der Jnfor^ Mation können doch gewisse offenkundige Tatsachen nicht aus der Welt geschafft.werden. Rumänien ist von einem rücksichtslosen Nationalisierüngsdrang beherrscht und geht, entgegen dem Sinn und Inhalt der Friedensverträge, gegen die jüdischen Schulen gewaltsam vor. Den Numerus clausus für die Universitäten hat das Land vorsichtigerweise nicht eingeführt — Polen hat ihn jetzt ausdrücklich aufgehoben aber die Professoren wißen Eich zu helfen; sie fordern eine Aufnahmeprüfung und fassen mehr als 80 Prozent der jüdischen Kandidaten dabei durchfallen. Undenkbar ist . ferner, daß die Regierung, wenn sie ihre Machtmittel gebrauchte, des durch Me Studentenschaft unter Führung des berüchtigten Professors Cuza geübten Terrors nicht Herr werden könnte. Sehr bezeichnend ist auch, daß ein Student einen Äokalgouverneur erschießt, weil dieser pflichtgemäß die Juden zu schützen sucht, daß der Student Totü den jüdischen Studenten Falik, d er als Teilnehmer an ein er 'Demonstration der nationalem Minderheiten angeklagt ist. an Gerichtsstätte einfach totschießt und daß diese Mordenden Studenten straflos bleiben, Totu sogar vor Gericht und in der Presse als nationaler Held gefeiert wird. ■: ' : , : Den zahlreichen Mißständen in Osteuropa wollte der im August in Zürich gehaltene Kongreß für jüdischen Rechtsschutz steuern. Er: scheint wie das Hornberger Schießen ausgegangen zu sein, das einzige Ergebnis ist die Ersetzung des bisherigen Comite des Delegations Luives in Paris durch eine neue „Kommission für jübi? jche Minderheitsrechte" in Genf. Sehr viel Erfolg darf