Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Also - ein Jubiläum
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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108 es so im letzten rötlichen Schein dahin, die Linden Herunter. Vornweg der Vater, mit dem Zylinder und einem Buche in der Hand; und neben ihm die kleine dicke, muntere Dame, die wiederum sich energisch um den Schwarm der Fünf, die weit weniger manierlich, aber auch mit Büchern, hinter ihr her trieben, energisch um ihn verdient gemacht hatte. Sozusagen an ihrer Existenz nicht unbeteiligt geblieben war. Ja eigentlich waren es sogar sieben gewesen. Aber niemand hätte es ihr angemerkt, wie sie so munter und frisch neben ihren Mann einherstapfte. Die Schul war ganz klein und eng, ein paar Hinterzimmer zu ebener Erde, auf einem Hof. Irgend jemand hatte sie einmal gestiftet, und aus seinem Erbe wurde sie unterhalten. Ich glaube, sie hatte kaum Fenster, immer brannten Kerzen. Und wenn ich an sie denke, habe ich Rembrandt vor mir, Halblicht, verdämmernd, braunes Holz, Eebetmäntel, Gold- und Silberflirren von der Thora. Und wenn ich an Rembrandt denke, so denke ich auch an jenen armseligen Betraum aus meiner frühesten Jugend in der Spandauer Straße. Vebartete Männer, wie man sie heute nicht mehr steht, feierlich-streng und etwas unheimlich für mich, stehen in Eebetmänteln und wiegen sich rhythmisch. Und ein paar ganz kleine armselige und verwachsene Menschen sind dazwischen. Und noch weiter ab, dämmriger, hinter Holzgittern verschwinden Frauengesichter. Sehr eng alles. Braune, abgebrauchte Bänke. Verrußt und verräuchert die Wände. Und doch alles irgendwie ehrfürchtig und von einem ganz märchenhaften Alter. Ohne Zweifel sehr seltsam und aufregend. „Na, fastet das Jüngelchen denn auch?" sagte ein alter kleiner Mann mit einer Pilznase und legt mir die Hand auf den Kopf. „Natürlich" sagte mein Vater überlaut und blinzelte in die Kerzen. Und da begannen die Männer etwas halb zu singen, halb zu sprechen, was sich dumpf und schön und melodiös anhörte, aber sicher niemand verstand. Und^