Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Also - ein Jubiläum
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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169 wenn dann einer allein sprach und die anderen schwiegen, dann dauerte es nur kurze Zeit, und die Andern fielen ein und entgegneten ihm. So als ob wir spielten: „Ist die schwarze Köchin da?" und die anderen dann antworten müssen. Aber irgend etwas schwirrte dabei doch durch den Raum. Finster, trotzig und feierlich und erregend zugleich. Etwas, das der Einfachheit, dem alten braunen Holz, den bebordeten Seidenmänteln, dem Dämmer der Kerzen, dem Halblicht wundersam sich anschmiegte, wie eine Begleitung in leisen Orgeltönen. Eine Weile sicher war das ganz hübsch. Aber es würde die ganze Nacht so weitergehen. Und man würde dabei langsam, aber schrecklich verhungern müssen. Und es schien gar keine Möglichkeit, hierbei zu den Knüppeln, den Schusterjungen, den Pflaumen und den Eicheln zu gelangen. Die Eicheln würde ich zuletzt essen, nur in höchster Not. Aber plötzlich brandete ein ganz zorniges Gemurmel auf. Und alles warf sich zwischen den Bänken auf die Erde. Beugte sich tief herab, kniete nieder, zog die Seidentücher über den Kopf.— (es war doch so, aber ich habe es nie wieder gesehen), und ich kauerte mich auch nieder und brach schnell in der Manteltasche eine Pflaume auf; und ein paar Eicheln fielen dabei heraus und kullerten und hüpften weit über den braunen zertretenen Fußboden hin, während ich die Pflaume mit einem Klapp schnell in den Mund warf. Also für die nächste halbe Stunde war ich jedenfalls gerettet. Doch schon erhob sich alles wieder. Und bald kam eine Unruhe in die Männer. Man patschte lärmend die Bücher zu, wandte sich zu einander um, sprach miteinander, gab sich die Hände und trat langsam aus den Sitzreihen. „Na komm' nach Hause mein Söhnchen, es ist aus", sagte mein Vater. „Was hast Du denn. Du bist doch so rot?!" „Ich bin müde" schluckte ich. „Siehst Du, das ist ein sehr frommer Mann, der -leibt die ganze Nacht über im Tempel", und damit