Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Also - ein Jubiläum
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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164 werden, sich ablösen vom Zweig, ohne daß ein Wind sie bräche, und nun von selbst auf die Luftreise gehen. Wenn sie wie ein großer fünfteiliger Fächer langsam in Kreisen und Ellipsen herabschweben. Manche bleiben ganz unberührt und breit auf dem Boden liegen wie eine Hand. Manche zerbrechen in einzelne Finger, so wie sie unten aufstoßen. Man kann das nie vorher sagen. Es gibt welche (Brüder), die aus Kastanien kunstvolle Wiegewagen schnitzeln können, ohne sich mit dem Taschenmesser in die Finger zu schneiden, und sogar Henkelkörbchen, die noch schwerer sind. Denn der Henkel reißt immer ab, und es wird doch eine Wiegeschale. Auch kann man Kastanien durchbohren und auf eine Schnur ziehen. Aber all das ist doch belanglos, wenn man daran denkt, wie schön es ist, sie so, wenn sie eben aus der Schale gebrochen sind und blank und glatt und braun sind, wie nichts sonst, geädert und bebändert mit dem helleren Mal ihrer Rundung, wie schön das ist, sie fo zu allererst durch die Finger gleiten zu lassen. Sie sind kühl und wundervoll anzufassen,... wie die Mahagonisäulen an dem alten Elasschrank im Salon,... wie der große ovale Tisch mit dem Knollenfuß und den eingelegten metallenen Fäden, die kälter und blanker sind als das Holz. Zwei können in einer solchen grünen Stachelkugel sein und drei. Aber der Kenner wird jene zum Spielen bevorzugen, die ganz groß und rund sind und allein in der Wiege gelegen haben. Und wenn es die erst gibt, die Kastanien, sind die Abende früher schon ganz blau, und bleiben merkwürdig lange licht, und sind dabei doch schon so leicht in Nebel getaucht. Und während wir erst der Sonne gute Nacht sagen mußten, sagt s i e uns nun zuerst gute Nacht. Und wenn die Lampe oder die Kerze auf dem Tisch steht in dem langen Zimmer, so sieht doch noch durch das breite Fenster sehr deutlich das Laubwerk der Bäume hinein. Heute aber war es feierlicher als sonst. Und zum Abend stand mehr auf dem Tisch als sonst zum Mittagessen. Hatte es das heute überhaupt in vollem Ausmaß gegeben? (!)... Und ich, der ehedem schon früher nach