Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Also - ein Jubiläum
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Fliedersträuchen, die so dick und alt waren, daß man richtig auf sie hinaufklettern konnte (nie wieder bin ich seitdem in einen Fliederstrauch geklettert), und sich in eine Astgabel setzen konnte und von da die lange sonnige Straße ansehen. Den Sitz konnte man sogar komfortabler gestalten, wenn man die Füße auf die Spitzen des eisernen Eartenzauns stellte. Das war was anderes wie in Vlumeshof. Und einen Hintergarten hatte sie, so groß war er. daß man darin Reifen spielen konnte. Ganz weit und tief schnitt er ein, fast bis zur Hildebrandstratze. Heute stehen gewiß x Häuser darauf. Er hatte Hecken mit Schneebeeren. Wissen Sie, solche weißen Beeren, die man abreißen konnte, auf den Weg streuen, und wenn man herauftrat, knallte es ganz kriegerisch. Man konnte sie auch gegen die Wand werfen. Dann knallten sie gleichfalls. Aber nicht so laut und gefährlich. Und Nußbäume waren da. Und wenn man Glück hatte und früh kam, bevor der Portier die Wege gekehrt hatte, konnte man noch Nüsse finden, die in der Nacht abgefallen waren. Wenn man aber einen guten Windstoß abpaßte, dann prasselte es nur so um einen herum. Auch Mehlbeeren gab es oder Mehläpfelchen. Kleine rotbäckige Früchte, die süß und sauer zugleich schmeckten. Je nachdem, ob man sie reif oder unreif schon aß. Ich liebe sie bis heute, habe sie nie mehr gegessen und weiß bis heute eigentlich nicht, was sie sind. Ich glaube, es sind ganz simple Kornelkirschen (Cornus mas, wie der Botaniker sie benamset). Es kann aber auch etwas anderes sein. Diese Frage wird wohl im Rest meines Daseins nie geklärt werden. Und später wird niemand mehr daran gelegen sein, sie zu klären. Damals jedoch erschienen sie mir begehrenswert wie die Aepfel der Hesperiden. Von Kastanien spreche ich gar nicht. Nicht solche, die man effen kann, nein, solche in grünen, stachlichen Schalen, . . . Roßkastanien; Schalen, die eines schönen Tages reißen und das Braun der Früchte durch den langsam sich vergrößernden Spalt glänzen lassen. Das ist zur gleichen Zeit, wenn die großen Blätter golden