Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Also - ein Jubiläum
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Also — ein Jubiläum Von Georg Hermann. Mir alt kann ich wohl damals gewesen sein? Ich kann es zurückrechnen. Die Schule hatte noch nicht ihre Krallen nach mir ausgestreckt, aber wir wohnten auch nicht mehr dort, wohin meine ersten Erinnerungen zurückgehen, nebenbei mit einer Deutlichkeit der Räume, Menschen und Ereignisse, die manche späteren Jahre nicht haben. Also vier Jahre war ich nicht mehr, und sechs Jahre war ich noch nicht. Ich kann nur fünf Jahre oder noch fünf Jahre gewesen sein. Und dann feiert es heute eben, so in einem Monat sein goldenes Jubiläum. Wird nun gerade so 60 Jahre her sein. Während erst in Blumeshof meine Welt mit dem Kanal, seinen grünen Rasenufern und seinen Treidelweg — heute flieht er in steinernen Böschungen dahin — und mit seinen himmelhohen Rüstern abschloh» . .. mit der Potsdamer Brücke endete, mit der Ecke der Karlsbader Privatstrahe, wo meine Spielschule war,... mit der Oblatendruckerei, die da im Square lag, und dessen Maschinen hinter Kellerfenstern ich rastlos sich bewegen sah, und die schönsten Bogen buntester Oblaten verschlucken und auswerfen, . . . schloß jetzt meine Welt mit der grünen Mauer des Tiergartens ab, in den die Bendlerstrahe auslief. Mit der Konditorei von Maukert, in der man 32 Fluchtperlen in allen Farben für einen Sechser bekam, 30 regulär und 2 als Zugabe. Die neue Parterrewohnung hatte nicht nur ein kümmerliches Vorgärtchen mit Blattpflanzen um das Rund einer Fontäne, die stets ohne Wasser war und deshalb als Karussel ohne jede Gefahr für mich war, wie jene in Vlumeshof; sondern ich hatte einen Vorgarten mit