Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Louis Loewe
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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165 erregten; er studierte sie und brachte Nachrichten über die religiösen Grundlagen dieser Sekte heim. Die Rückkehr nach Hause führte über Athen nach Rom. Hier besuchte er die Bibliothek des Vatikan und machte nähere Bekanntschaft mit Kardinal Mezzofanti, Angela Mai und Lambruschini. Damals predigte er in der Synagoge in Rom vor der Gemeinde und Moses Montefiore, der sich mit seiner Gattin Judith ebenfalls in Rom befand, hörte ihn. Die Bekanntschaft war bald gemacht und Montefiore stellte Loewe den Antrag, ihn auf seinen Reisen zu begleiten. Loewe nahm an und blieb vom Jahre 1840 an der Gefährte Montefiores. Er kehrte nur nach London zurück, um dem Herzog von Sussex Bericht zu erstatten, wurde huldvoll empfangen, zum Kustos der semitischen Handschriften bestellt und hatte jeden Mittwoch dem Herzoge Vorträge über die Philosophie des Orients, Sitten und Sprache der Morgenländer zu halten. Nicht lange darauf wurde Loewe zum Mitglied der Gesellschaft der morgenländischen Forscher in Gr. Britannien und Irland ernannt. In diese nach allen Seiten hin erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit Loewes brachte nun die Stellung bei und um Montefiore eine entscheidende Wendung. Um solche ganz zu begreifen, soll hier eine persönliche Erinnerung der Schreiberin, die die älteste Tochter von Loewe ist, eine Stelle finden. Mein Vater besaß einen starken Band, der die Briese aller jener Berühmtheiten enthielt,, mit denen er Fühlung genommen, Gedankenaustausch gepflogen, in wissenschaftlichem oder freundschaftlichem Verkehr gestanden hat. Von Zeit zu Zeit blätterte er in späteren Jahren gern in diesen Erinnerungen und freute sich au ihnen. Bei einer solchen Gelegenheit las er mir, seiner ältesten Tochter, so manches vor, was ihm dieser oder jener berühmte Gelehrte geschrieben, und so richtete ich auch einmal die Frage an ihn, wieso er sich bei der Aussicht auf eine so große wissenschaftliche Karriere entschließen konnte, diese aufzugeben und sich Sir Moses Montefiore anzuschließen. Tiefernst, aber voll Begeisterung sah mich mein Vater an und sprach: „Die Aussicht, mein Leben, meine ganzen Fähigkeiten und Kräfte für das heilige Land und